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Winterverlusten bei Honigbienen vorbeugen

Imker sollten jetzt mit ihrer Wintervorbereitung beginnen

05. Aug 2016
Peter Trodtfeld ist ein erfahrener Imker und Bee Health Expert am Bayer Bee Care Center in Monheim am Rhein, Deutschland.

Peter Trodtfeld ist ein erfahrener Imker und Bee Health Expert am Bayer Bee Care Center in Monheim am Rhein, Deutschland.

Wir hören im Moment viel über Winterverluste bei Honigbienen. Das Honigbienen-Forschungsnetzwerk COLOSS hat die vorläufigen Ergebnisse seiner Erhebung der Honigbienenvölkerverluste über den Winter 2015/16 in Europa bekannt gegeben. Die insgesamte Verlustrate wird auf 11,9 % geschätzt –niedriger als 17,4 % im Winter davor, aber nicht so niedrig wie die 9 % vor zwei Jahren. Wir sprachen mit dem Bienengesundheitsexperten und Imker Peter Trodtfeld, um zu erfahren, warum die Winterverluste wichtig sind, und was dies für die zukünftige Gesundheit der Bienenvölker bedeutet.

Über COLOSS

Das Forschungsnetzwerk COLOSS beobachtet seit vielen Jahren die Verluste von Honigbienenvölkern, um die Risikofaktoren zu untersuchen und besser zu verstehen. Ein international standardisiertes Datenprotokoll erlaubt Vergleiche und eine gemeinsame Analyse der Daten, die von den jeweiligen Ländern gesammelt werden. Die Erhebungsmethode ist auch als ein Kapitel im sogenannten COLOSS BEEBOOK zu finden.

Interview mit Peter Trodtfeld zu Winterverlusten bei Honigbienenvölkern und wie Imker den Varroa-Befall in ihrem Bienenstock kontrollieren und verringern können.


Die vorläufigen Ergebnisse der Winterverluste bei Honigbienenvölkern für 2015/16 liegen nun vor. Sie weisen große Schwankungen sowohl zwischen den verschiedenen Regionen Europa, als auch zum Vorjahr auf, insgesamt liegt die durchschnittliche Verlustrate aber niedriger als 2014/15. Können Sie diese Ergebnisse erklären?

Ich bin sehr froh, eine Verbesserung im Vergleich zum vorigen Winter zu sehen, beispielsweise in Belgien, wo es im Vorjahr schwere Verluste um die 36 % gab, in diesem Winter aber nur in Höhe von 12 %. Besonders niedrige Verluste wurden in der Tschechischen Republik mit 6,4 % verzeichnet (im Vergleich zu 16,9 % im Vorjahr). Leider gab es in einigen Ländern relativ hohe Verluste im vergangenen Winter, zum Beispiel in Irland (29,5 % im Vergleich zu 12,4 % im Jahr davor), Spanien (22,1 %, obwohl bis jetzt nicht alle Regionen berücksichtigt wurden) und Finnland (17 % bei 8,7 % im Winter davor). Letztes Jahr sahen wir generell höhere Sterblichkeit und Verluste in Zentraleuropa und in den östlich gelegenen Staaten. In diesem Jahr beobachten wir jedoch tendenziell die höchsten Verluste in den westlichen und nördlichen Ländern. Das zeigt, dass es normal ist, dass die Sterblichkeitsrate gewissen Fluktuationen unterliegt, zwischen Ländern und sogar zwischen verschiedenen Regionen innerhalb eines Landes. Zahlreiche Faktoren können die Bienengesundheit beeinflussen, und oftmals hat eine Kombination davon einen gemeinsamen Effekt. Die Fluktuationen, die wir von Jahr zu Jahr sehen, können daher unterschiedliche Ursachen haben.



Die Bienengesundheit wird also von mehreren Faktoren beeinflusst. COLOSS erwähnte, dass die Verluste in einigen Ländern aufgrund von Problemen mit Bienenköniginnen unerwartet hoch waren. Welche Rolle spielt die Varroa-Milbe?

Die Varroa-Milbe stellt eine immense Bedrohung für die Gesundheit der Westlichen Honigbiene dar. Die Milbe schwächt das Immunsystem der Bienen und überträgt schädigende Viren wie etwa das Flügeldeformationsvirus, das in Europa weit verbreitet ist.

Tatsächlich beeinträchtigen schwache Königinnen und daraus folgend höhere Königinnensterblichkeit das Überleben von Honigbienenvölkern über den Winter mehr und mehr. Probleme mit Königinnen können auf fehlende Pflege durch die Arbeiterinnen zurückzuführen sein, etwa wenn das Volk mit der Varroa-Milbe infiziert ist. Eine andere Ursache kann sein, dass die Königin alt ist und nicht zeitig genug und wie empfohlen jedes zweite Jahr ersetzt wurde.

Darüber hinaus hat auch eine unzureichende oder qualitativ schlechte Zufütterung durch den Imker während der Winterperiode einen Einfluss auf das Überleben des Volkes. Die Witterungsbedingungen können ebenso eine Rolle spielen.



Sind die COLOSS Winterverluste-Daten für Sie hilfreich?

Nun, sie bieten uns eine gute Grundlage, um die Verlustraten von Jahr zu Jahr zu vergleichen, und sie geben auch einen umfassenden Überblick darüber, wie gut es den Honigbienenvölkern in den verschiedenen Ländern Europas geht. Solange wir (Imker, Behörden, Wissenschaftler ...) diese Daten allerdings nicht dazu nutzen, um etwas zur Verbesserung der Bienengesundheit zu tun, dann sind sie bloß die jährlichen, durchschnittlichen Winterverluste von Honigbienenvölkern in Europa. Wir sehen aber, dass die Ergebnisse nicht eindeutig mit einem bestimmten Faktor korrelieren, der die Honigbienengesundheit beeinflusst, und auch, dass die Ergebnisse der Wintersterblichkeit sehr variabel sind.



Sie sind selbst Imker. Gibt es etwas, das die Bienenhalter tun können, um sicherzustellen, dass ihre Verluste so niedrig wie möglich ausfallen?

Ja. Wir Imker können die Bienengesundheit positiv beeinflussen. Besonders dieses Jahr sollten Imker in Mitteleuropa bedenken, dass die Bienen nach den langen, regnerischen Perioden im Frühjahr möglicherweise Schwierigkeiten haben, genug Nahrung zu finden. In diesem Fall müssen die Imker ihren Bienen früher bzw. mehr Nahrung zufüttern, um die geringeren Honigreserven zu kompensieren.

Es ist weiterhin essenziell, den Varroa-Befall zu beobachten und die Völker bei Bedarf so schnell wie möglich zu behandeln. Werden synthetische Produkte verwendet, ist es wichtig, das Resistenzniveau der Varroa-Milbe zu beachten, um eine verringerte Wirksamkeit der geplanten Behandlung zu vermeiden. Bei Anwendung organischer Säuren, wie etwa temperatur-empfindlicher Ameisensäure, ist es entscheidend, das richtige Anwendungsfenster zu finden. Zum Beispiel: Bei Temperaturen über 30 Grad Celsius ist das Verdunstungsrisiko hoch, was wiederum negative Nebeneffekte auf die behandelten Bienenvölker haben kann. Es ist daher wichtig, im Anschluss an die Behandlung deren Wirksamkeit zu überprüfen, d. h. zu beobachten, ob der Varroa-Befall auf ein kontrollierbares Maß reduziert werden konnte.

 

To learn more about Varroa destructor, a key threat to the health of the Western honey bee, check the following website:  The Varroa mite.


Um mehr über die Varroa-Milbe zu erfahren, die eine große
Bedrohung für die Gesundheit der Westlichen Honigbiene darstellt,
besuchen Sie die folgende Website: Die Varroa-Milbe.

Wann sollten Imker beginnen, über eine Prävention gegen Winterverluste nachzudenken? Oder sind entsprechende Maßnahmen ein permanenter Teil der Völkerführung?

Imker sind normalerweise gut darauf vorbereitet, mit verschiedenen und wechselnden Witterungsbedingungen umzugehen. Dieses Jahr ist allerdings speziell: Durch den warmen Winter 2015 und die zahlreichen, intensiven Regenperioden im Frühjahr und Sommer sind wir mit sehr spezifischen Herausforderungen konfrontiert. Darum erwarten wir eine sehr hohe und dynamische Varroa-Milbenpopulation in den Bienenstöcken, und wir sehen auch ganz klar ein Nahrungsproblem für viele Honigbienenvölker in Deutschland. In so einer Situation ist es umso wichtiger, dass die Imker die Gesundheit ihrer Bienen und die Bedingungen im Bienenstock so gut wie möglich beobachten, und gute imkerliche Praxis angepasst an die jeweiligen Umstände anwenden. Wenn sie das nicht tun, dann befürchte ich, dass es leicht sein kann, dass wir 2016/17 wieder eine höhere Verlustrate sehen. Es ist also wirklich sehr wichtig, dass die Imker jetzt gut aufpassen und handeln.


 
  Vielen Dank für Ihre Zeit. Haben Sie einen persönlichen Rat, den Sie mit anderen Imkern teilen möchten?

Als Erstes wünsche ich mir, dass Imker regelmäßig miteinander kommunizieren. Wissen und Erfahrung zur guten imkerlichen Praxis auszutauschen, kann während der Saison helfen, um mit speziellen Situationen umzugehen. Das kann besonders für Anfänger hilfreich sein, die noch nicht so viel Erfahrung haben und noch nicht so geübt in der Völkerführung sind.

Zweitens sollten wir Imker auch möglichst viele Informationen zur gesundheitlichen Situation unserer Bienen und vor allem zum Varroa-Befall an die lokalen Bienenexperten oder Bieneninstitute weitergeben. Die Kommunikation sollte in beide Richtungen gehen, damit die Winterverluste durch eine Zusammenarbeit aller Beteiligten verringert werden können.

 


 
Über Peter Trodtfeld

Peter Trodtfeld ist Experte für Bienengesundheit im Bayer Bee Care Center in Monheim, Deutschland. Er ist verantwortlich für zahlreiche Kooperationsprojekte von Bayer zum Thema Bestäubergesundheit. Er ist auch ein erfahrener Imker, kümmert sich um die Bienenstöcke des Bayer Bee Care Centers und organisiert Führungen für Besucher, bei denen er die unterschiedlichen Aspekte der Gesundheit von Honig- und Wildbienen erklärt.

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