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Imker der Jungsteinzeit

Schon vor 9.000 Jahren nutzten Bauern Wachs und Honig

10. Dez 2015
Archäologische Funde wie Tonscherben können Auskunft über die Geschichte der Imkerei geben

Archäologische Funde wie Tonscherben können Auskunft über die Geschichte der Imkerei geben

Wachsrückstände an archäologischen Scherbenfunden liefern jetzt den Beweis: Bereits Bauern der Jungsteinzeit nutzten die Produkte der Honigbienen – und zwar rund 1.500 Jahre früher als bislang angenommen. Das zeigt eine internationale Forschergruppe um Mélanie Roffet-Salque der University of Bristol. Für eine im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichte Studie analysierten die Chemiker rund 6.400 Tongefäße aus über 150 steinzeitlichen Fundstätten in Europa und dem Nahen Osten auf Spuren von Bienenprodukten.
 
Das Ergebnis: Etwa 9.000 Jahre alt sind die Wachsspuren, welche die Wissenschaftler an Tonscherben aus Grabungsstätten in Anatolien nachweisen konnten. Vermutlich süßten die frühen Landwirte mit Honig ihre Speisen. Möglicherweise verwendeten sie  die Naturprodukte der Bienen auch für medizinische und handwerkliche Zwecke, als Brennstoff sowie für religiöse Zeremonien.
 
Mit den Jahrhunderten dehnte sich neben der Landwirtschaft auch die Bienenhaltung nordwärts nach Europa aus. Besonders ergiebig waren den Forschern zufolge Fundstätten auf der Balkanhalbinsel – etwa in Serbien, Rumänien und Griechenland. Bis zu 7.500 Jahre alt sind die ersten Nachweise aus Österreich und Deutschland. Die nördliche Grenze der Imkerei lag in der Jungsteinzeit offenbar in Dänemark: Jenseits des 57. Breitengrades konnten die Forscher keine Wachsspuren mehr nachweisen. Möglicherweise lag dort die ökologische Grenze der damaligen Verbreitung von Honigbienen.
 
Schon länger gingen Forscher davon aus, dass Honig und Wachs bereits in der Vor- und Frühgeschichte verwendet wurden. Sie vermuteten die Ursprünge der Domestizierung von Honigbienen in Anatolien. Die genaue räumliche und zeitliche Verbreitung war jedoch bis zu dieser Studie unklar. Noch wesentlich früher als in Anatolien dürfte Honig von Jägern und Sammlern in Afrika genutzt worden sein, wie die Wissenschaftler anhand regionaler Höhlenmalereien vermuten. Diese bieten noch viele ungelöste Rätsel und die Erforschung der uralten Beziehung zwischen Menschen und Bienen geht weiter.

Die Studie „Widespread exploitation of the honeybee by early Neolithic farmers“ von Mélanie Roffet-Salque et al. (University of Bristol) und ein Artikel von Ewen Callaway wurden im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht.


Fotograf: Christian Hans
Quelle: Flickr
Lizenz: CreativeCommons

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