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Honigbienen erfolgreich durch den Winter bringen

Fünf Fragen an Dick Rogers, Experte für Bienengesundheit im Bayer Bee Care Center Nordamerika

Wenn Imker sich treffen, gibt es immer eine Menge zu besprechen, und irgendwann taucht unweigerlich die alles entscheidende Frage auf: Wie sind Ihre Völker über den Winter gekommen?

Auf der Nordhalbkugel steht der nächste Winter bereits vor der Tür. Wir haben daher unseren Experten Dick Rogers gefragt, was man tun muss, um Honigbienen erfolgreich durch den Winter zu bringen.

 

F: Bevor wir uns gleich näher ansehen, was der Imker tun kann, wollen wir zunächst gerne wissen, wie die Bienen sich selbst auf den Winter vorbereiten.

Honigbienen sichern das Überleben ihrer Kolonie mit einer Langzeit-Strategie. Schon ab Mitte August beginnen die Völker mit der Produktion von Winterbienen. Diese Bienen unterscheiden sich in ihrer Physiologie von den Sommerbienen und sind daher gut geeignet, lange Kältephasen zu überdauern, in denen sie den Bienenstock nicht verlassen können. Sommerbienen leben nur 4-6 Wochen, Winterbienen hingegen können 4-6 Monate alt werden. Nach und nach sterben daher die Sommerbienen und werden durch die Winterbienen ersetzt.

In Wildbienenkolonien sind die Bienen außerdem den gesamten Sommer über damit befasst, Nahrung für das Wachstum ihrer Kolonie herbeizuschaffen und die Überschüsse als Wintervorräte einzulagern. In bewirtschafteten Bienenstöcken wird zumindest ein Teil des überschüssigen Honigs von den Imkern abgeerntet. Sie müssen daher Zuckersirup einfüttern, aus dem die Bienen Honig erzeugen.

F: Was brauchen die Bienen jetzt, um gut durch den kommenden Winter zu kommen?

Das Überleben der Kolonie im Winter hängt von drei entscheidenden Kriterien ab, und sie müssen alle erfüllt sein, wenn Bienen erfolgreich überwintern wollen: Erstens braucht die Kolonie eine große, gesunde Winterbienenpopulation mit einer jungen, gesunden und produktiven Königin. Hält man die Varroa-Population in Schach, trägt dies zum Gesundheitsstatus der Kolonie bei.

Zweitens benötigen die Bienen gefüllte Nahrungsdepots, auf die sie nach Bildung der Wintertraube Zugriff haben.

Und drittens muss der Bienenstock gegen Wind und Wassereinwirkung geschützt werden, dabei aber gleichzeitig ausreichend belüftet sein, damit kein Kondenswasser entsteht. In den nördlichen Regionen ist Kondenswasser im Bienenstock in den Wintermonaten tödlich für die Honigbiene.  

F: Was kann der Imker zum erfolgreichen Überwintern seiner Bienen beitragen?

Der Imker muss sich während der gesamten Saison aktiv um die Gesundheit der Bienen kümmern. Gesundheitsprobleme müssen spätestens bis Anfang August gelöst sein, möglichst schon früher. Winterbienen, die in Kolonien mit Gesundheitsproblemen wie Varroa oder Tracheenmilben, Virenkrankheiten oder Nosematose aufwachsen, werden ebenfalls davon beeinträchtigt sein und haben eine deutlich kürzere Lebensdauer.

Eine ausgewachsene Kolonie benötigt etwa 27 kg leicht zugänglichen reifen Honig, um durch den Winter zu kommen. Diese Menge ist normalerweise ausreichend, um auch Perioden mit höherem Bedarf oder einen verspäteten Frühlingseinsatz zu überbrücken. Allerdings sollten Imker die Honigdepots ab Frühlingsbeginn regelmäßig kontrollieren, um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen. Damit die Bienen genügend Wintervorräte anlegen können, sollten Imker auf der nördlichen Erdhalbkugel die Bienen kontinuierlich ab Mitte September bis spätestens Ende Oktober einfüttern. Ziel ist es, ausreichend Zuckersirup so frühzeitig zur Verfügung zu stellen, dass die Bienen ihn einlagern und reifen können, noch bevor sie aufgrund der fallenden Temperaturen die Wintertraube bilden müssen.

Imker können die Bienen zusätzlich unterstützen, indem sie für ausreichende Belüftung des Stocks sorgen, um Kondensation zu verhindern. Das erreicht man in der Regel durch kleine Eingangslöcher im oberen und unteren Teil des Stocks. Gute Luftzirkulation ist wichtig, damit keine Feuchtklima entsteht. Deshalb sollte man Bienenstöcke nicht in Senken oder Niederungen platzieren, wo die Landschaftsbedingungen eine natürliche Luftzirkulation behindern. Außerdem müssen Kolonien vor starkem Wind, Wasseransammlungen und Überschwemmung geschützt werden.

Unter südlichen Klimabedingungen gibt es unter Umständen keine Unterbrechung der Brutzyklen. Die Bienen müssen dort – wenn überhaupt – nur gelegentlich und vorübergehend Wintertrauben bilden und sind nicht aufgrund niedriger Temperaturen über lange Perioden auf den Bienenstock beschränkt. Obwohl die Lebensbedingungen im Süden deutlich leichter sind, ist die Anlage ausreichender Nahrungsvorräte auch dort ein kritisches Thema. Imker müssen unter Umständen häufig einfüttern, wenn natürliche Trachtflächen über längere Phasen nicht zur Verfügung stehen.

F: Was sollte man während der kalten Wintermonate vermeiden?

Die Bienenstöcke müssen während der Wintermonate zwar ausreichend belüftet sein, um Kondenswasser zu vermeiden, aber es ist wichtig, die Propolis-Siegel in den Spalten und Ritzen des Bienenstocks nicht aufzubrechen, wenn die Temperaturen unter 10°C gesunken sind. Die Propolis-Versiegelung schützt die Wintertraube jetzt vor Wind und Regen.

Und noch etwas sollte man nicht tun: Stören Sie die Kolonie nicht, wenn sie die Wintertraube um die Königin und ihre Brut gebildet haben, um sie warm zu halten. Stört man die Traube, kann die Temperatur in ihrem Innern rasch sinken. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Bienen zu einer erneuten Traubenbildung nicht mehr in der Lage sind. Die Konsequenz wäre der Tod einzelner Bienen und möglicherweise sogar der gesamten Kolonie.

F: Wie bereiten sich die Bienen auf die nächste Saison vor, wenn der Höhepunkt des Winters überschritten ist?

Im Spätwinter bis ins zeitige Frühjahr setzt das Sterben der Winterbienen ein, während gleichzeitig die Produktion neuer Generationen von Sommerbienen startet. Sobald draußen der erste Pollen zur Verfügung steht, legt die Königin wieder verstärkt Eier. Drei Wochen danach sollte das Koloniewachstum rasche Fortschritte machen.

Sonneneinwirkung hat im Frühling einen positiven Effekt, denn dadurch kann ein Mikroklima für Reinigungsflüge gefördert werden. Diese Flüge helfen der Kolonie, Durchfall- und Nosematose-Erkrankungen loszuwerden.
 
Schrumpfen Populationen im Frühling, so erfolgt dies in der kritischen Umbruchphase, wenn die Winterbienen durch die neuen Sommerbienen abgelöst werden. Ist die Zahl der ausschlüpfenden Bienen niedriger als die Todesrate der letztjährigen Winterbienen, dann schrumpft die Kolonie. In letzter Instanz kann dies zum Sterben des gesamten Volkes führen.

Ist der Winter lang, können die Bienen unter Umständen nicht genügend Nachwuchs produzieren, um die Winterbienen zu ersetzen. Es droht die Vernachlässigung der neuen Brut, was wiederum zu einem weiteren Schrumpfen führen kann.

Gibt es einen Fehlstart für den Frühling, werden die Nahrungsdepots unter Umständen rasch geleert, ohne dass natürliche Trachtflächen zur Verfügung stehen. Die Kolonie droht zu verhungern.

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