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Fünf Fragen an Dr. Julian Little, Sprecher Bayer Bee Care

Der Rückgang der Honigbienenvölker in Teilen Europas und Nordamerikas ist in den letzten Jahren zunehmend ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Wissenschaftler, Imker, Umweltgruppen, Agrarverbände, Industrie und Medien sorgen sich um die Gesundheit von Bienen und anderen Bestäubern.

Dr. Julian Little, Sprecher für Bayer Bee Care, gibt in einem Interview Antworten auf häufig gestellte Fragen und bezieht eine klare Position zu den aktuellen Themen.


Q: Vor welchen Herausforderungen stehen Bienenvölker heute?


Der Stress für die Bienenpopulationen kommt aus mehreren Richtungen, denn die Bienengesundheit wird von einer Kombination unterschiedlicher Faktoren beeinflusst. Zu diesen Faktoren gehören die Verfügbarkeit von Nahrungs- und Niststandorten, das Wetter, und der Druck durch Parasiten und Krankheiten. Außerdem sind in den letzten Jahren immer mehr natürliche Lebensräume der Bienen verschwunden, weil zusätzliches Ackerland gebraucht wird, um die Nahrungsbedürfnisse der wachsenden Weltbevölkerung zu erfüllen. Dabei müssen sich landwirtschaftliche Produktivität und die Präsenz von Bienen nicht ausschließen. Dies zeigt die Einführung von Pollen-/Nektarstreifen in Agrarbetrieben. Unter dem folgenden Link (Video Nr. 3, „Flowering Strips“) finden Sie die Ergebnisse unserer eigenen Tests mit der „Bienenpflanze“ Phacelia in Großbritannien.

Q: Viele der eben genannten Herausforderungen gelten für Bestäuber allgemein. Gibt es Belastungen, denen nur die Honigbiene ausgesetzt ist?

A: Ja, da ist vor allem die Varroa-Milbe, ein besonders gemeiner Parasit, der nicht nur das Blut der Bienen saugt, sondern auch Viren überträgt. Das ist eine ausgesprochen unangenehme Kombination, die die Lebenserwartung von Arbeitsbienen häufig um ein Drittel senkt und im schlimmsten Fall sogar zum Sterben des gesamten Volkes führen kann. Allerdings ist die schlechte Gesundheit der Bienen nicht auf nur eine Ursache zurückzuführen. Klar ist aber, dass ein signifikanter Varroa-Befall – vor allem wenn es sich um einen behandlungsresistenten Typus handelt – einen besonders schwerwiegenden Einzelfaktor darstellt.

Q: Pflanzenschutzmittel, insbesondere die Wirkstoffklasse der Neonikotinoide, standen in diesem Zusammenhang in der Kritik. Tragen sie eine Mitschuld?

A: Das ist eine interessante Frage. Schauen wir uns zum Beispiel Australien an. Dort ist der Einsatz von Imidacloprid und anderen Neonikotinoiden als Saatbeize für Ölsaatraps und andere Sommerkulturen weit verbreitet. Interessanterweise hat das Land aber die gesündesten Bienen auf dem gesamten Planeten. Aus diesem Grund sind die Honigbienen des Landes ein beliebtes Exportgut. Was aber Australien nicht hat – zumindest noch nicht – ist die Varroa-Milbe. Bienenwissenschaftler haben aus dieser Beobachtung natürlich ihre Schlüsse gezogen.
Ein anderes Beispiel ist Frankreich. Dort ist offenbar das Gegenteil der Fall. Der Einsatz neonikotinoidhaltiger Pflanzenschutzmittel ist dort seit über 10 Jahren eingeschränkt. Trotzdem konnte dort bisher keine Verbesserung der Bienengesundheit festgestellt werden. In Frankreich gibt es allerdings die Varroa-Milbe.

Fazit: Beseitigt man den Neonikotinoidfaktor, gibt es keine offensichtliche Verbesserung. Beseitigt man aber die Varroa, gibt es gesunde Bienen.

Q: Das sind ziemlich zwingende Argumente, aber letztlich handelt es sich um Einzelberichte. Gibt es wissenschaftliche Beweise?

A: Die Debatte um die relative Bedeutung des Pflanzenschutzes gegenüber Gesundheitsfaktoren wie der Varroa scheint nicht zu enden, obwohl es inzwischen eine Menge wissenschaftlicher Informationen dazu gibt. Erstens liegt es natürlich auf der Hand, dass Bienen beeinträchtigt werden, wenn man sie experimentell einem Insektizid aussetzt. Das ist ganz besonders dann der Fall, wenn dies unter den künstlich abgeschotteten Bedingungen im Labor geschieht. Die meisten Untersuchungen über Neonikotinoide, die im letzten Jahr in den Zeitungen veröffentlich wurden, haben unter solchen Bedingungen stattgefunden. Natürlich haben diese Arbeiten ihren eigenen Stellenwert, aber diese Art der Forschung spiegelt nicht die Realbedingungen wieder: In der grünen Natur beziehen die Bienen ihre Nahrung aus einem breiten Spektrum von Nektar- und Pollenquellen. Im Labor hingegen werden sie unter Stressbedingungen mit relativ hohen Insektiziddosen zwangsgefüttert. Ich möchte dazu auf eine wissenschaftliche Untersuchung der britischen Regierung verweisen: Überzeugen Sie sich selbst, was passiert, wenn man zum Beispiel Hummelvölker direkt neben ein behandeltes Ölsaatrapsfeld platziert: Effects of neonicotinoid seed treatments on bumble bee colonies under field conditions - March.

Q: Mit welchen Maßnahmen schützen Sie die Bienen?

A: Bayer arbeitet seit mehr als 25 Jahren im Bereich Bienengesundheit. Das Vorhandensein einer großen Anzahl von Bestäubern und gesunden Bienen ist nicht zuletzt in unserem eigenen Interesse, denn ein Teil unseres Schwerpunktgeschäfts im Pflanzenschutz hängt direkt von der Bestäubungsleistung der Bienen ab. Um die Bienengesundheit zu verbessern, bieten wir weltweit Lösungen für Varroa-Befall und andere Gesundheitsprobleme der Bienen. Auch in Zukunft werden wir aktiv die Bienengesundheit fördern: mit Forschungsaktivitäten, durch den Dialog mit Stakeholdern und Experten und mit Maßnahmen zur Produktverantwortung. Wir haben erst kürzlich zwei Bee Care Center eingerichtet, um unsere Ressourcen für dieses Engagement zu bündeln. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.beecare.bayer.com.

Wir sind uns darüber im Klaren, dass es immer Menschen geben wird, die bestimmten Bereichen unseres Geschäftes eher ablehnend gegenüberstehen. Dafür haben wir Verständnis. Aber wir glauben auch, dass das Thema sehr komplex ist und dass man die Bienengesundheit nicht signifikant verbessern kann, indem man eine x-beliebige Chemikalie zum Sündenbock erklärt.

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