„Diese jungen Forscher brennen für das Bienenthema“

Jahrestagung der deutschen Institute für Bienenforschung

09. Apr 2019
Die Bayer-Forscher Anja Quambusch (l.) und Sabine Langner mit einem der auf der Veranstaltung präsentierten Poster.

Die Bayer-Forscher Anja Quambusch (l.) und Sabine Langner mit einem der auf der Veranstaltung präsentierten Poster.

Diese 66. Ausgabe der Bienentagung war besonders. In der Vergangenheit war der Fokus auf die Honigbiene gelegt worden, aber in diesem Jahr gab es einen zusätzlichen Schwerpunkt, erläutert Bayer Bienengesundheitsexperte Peter Trodtfeld: „Biodiversität und Bestäuberschwund sind inzwischen ins Bewusstsein einer größeren Öffentlichkeit gerückt – und somit auch ein Schwerpunkt von vielen wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Biene geworden. In einem Vortrag der Bienentagung wurde die Futterkonkurrenz zwischen Honigbienen und Wildbienen in Naturschutzgebieten und landwirtschaftlichen Räumen untersucht. Dabei wurde die Bedeutung und die Notwendigkeit festgestellt, die Lebensräume für die Wildbienen zu verbessern.“ Des Weiteren richteten die Bienenwissenschaftler ihren Blick auf weitere Faktoren, die für die Gesundheit und Zukunft der Bienenarten von Bedeutung sein werden, wie die Molekulargenetik, Bienenzucht sowie Ökologie und Verhaltensforschung der Bienen.

Und schließlich zeigte sich in diesem Jahr ein weiterer Trend, sagt Bayer-Forscherin Dr. Nina Exeler: „Lange Jahre schien es, als würde das Thema Biene mit seinen Wissenschaftlern immer älter. Aber in diesem Jahr zeichnete sich ganz deutlich ab, dass eine neue Forschergeneration herangewachsen ist. Das ist faszinierend zu sehen: diese jungen Forscher brennen für das Bienenthema, für Biodiversität und für Bestäuberschutz. Für mich war das die schönste Erkenntnis in diesem Jahr.“

Neue Ideen im Kampf gegen Varroa und Krankheiten
Einer der Hauptverantwortlichen, wenn nicht der größte Feind der Westliche Honigbiene, ist eine kleine Milbe namens Varroa destructor. Ein neuer Ansatz in der Bekämpfung der Varroa Milbe zeichnet sich ab. Mehrere Bienenforscher berichteten über erste positive Erfahrungen mit Lithiumchlorid unter Feldbedingungen. Lithiumchlorid zeigt einer vielversprechende und erfolgreiche Wirkung in der Bekämpfung der Varroa Milbe. Durch imkerliche Maßnahmen wie das Käfigen der Königinnen konnten die Honigbienenvölker brutfrei gestellt und Brutschäden durch Lithiumchlorid im Honigbienenvolk in den getesteten Konzentrationen vermieden werden. Weitere Forschungen sind erforderlich, um die Zukunftsfähigkeit dieses neuen Ansatzes zu ermitteln.

Die Entwicklung einer neuen Applikationstechnologie von Ameisensäure macht hingegen Fortschritte. 2018 stand der Wirkstoff im Zentrum mehrerer Forschungsprojekte, und in diesem Jahr sorgen die Ergebnisse der neuen Applikationsmethode dafür, dass der Formipenser® zukünftig auch für Imker eine interessante und anwendungssichere Option darstellen könnte – selbst in Regionen außerhalb der gemäßigten Klimazone (s. Kasten).

Neue Ansätze zeichnen sich auch im Bereich der Molekulargenetik ab. Hier untersuchen die Bienenwissenschaftler Möglichkeiten, die Züchtung zu optimieren oder Erkenntnisse zu gewinnen, um auf diesem Weg Krankheiten und Viren der Bienen effektiver bekämpfen zu können.

Posterpräsentationen
Zwei Bayer-Forscher nahmen mit ihren Projekten an den Postersessions teil: Dr. Nina Exeler und Anja Quambusch präsentierten die neuen Testmethoden zur Bewertung der Entwicklung von Hummel- und Wildbienenbrut. Die neuen Testmethoden unterstützten die Entwicklung von bestäubersicheren Pflanzenschutzprodukten und ermöglichen es, die zukünftigen Anforderungen der Zulassungbehörden zu erfüllen. Die wissenschaftlichen Besucher des Bayer-Posterstands waren sehr interessiert an den Tipps und Empfehlungen des Teams, die ihnen für ihre eigene Forschung weiterhelfen werden. Nina Exeler freut sich über die positive Resonanz: „Die Wissenschaftler vertrauen ganz offenkundig darauf, dass wir solide Methoden entwickeln und würdigen, dass die Industrie Bienengesundheit und Biodiversität ernst nimmt. und sie haben anerkannt, mit wieviel Engagement wir die Überprüfung von Bienensicherheit verfolgen, um die sichere Anwendung von Pflanzenschutz in der Landwirtschaft sicherzustellen.“

Intelligenter Ameisensäure Verdunster
Ameisensäure zeigt zwar eine gute Wirkung gegen die Varroamilbe, ist aber mit einer Herausforderung verbunden: Sie funktioniert mit den z. Z. verfügbaren Ameisensäureverdunstern effektiv nur in einem Außentemperaturbereich von 20 - 25° Celsius. Ist es kälter, wirkt sie nicht ausreichend, bei wärmeren Außentemperaturen kann sie die Bienen schädigen. Die Ruhr-Universität Bochum hat auf der Frankfurter Tagung ihre Lösung für dieses Problem vorgestellt: Der Formipenser® nutzt die konstante Bruttemperatur von 35° Celsius, die die Honigbienen im Bienenstock aufrechterhalten und erreicht dadurch eine effektive und kontrollierte Verdunstung der Ameisensäure während der Applikationsphase.

Die Anwendung ist denkbar einfach: Man öffnet den Bienenstock, setzt den Verdunster ein, und das war’s. Ein Nachfüllen ist nicht erforderlich. Der Imker hat dann nur noch die dankbare Aufgabe, die toten Milben zu beseitigen.

Weitere Information über Wildbienentests finden Sie hier

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