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Das Geheimnis der schrumpfenden Hummelzungen

Hat der Klimawandel Einfluss?

08. Dez 2015
Kann Klimawandel  Hummelzungen schrumpfen lassen?

Kann Klimawandel Hummelzungen schrumpfen lassen?

Seit den 1960er Jahren ist die Zungenlänge von zwei alpinen Hummelarten in den Rocky Mountains um rund 25 Prozent zurückgegangen. Dies hat eine neue Studie eine US-Forscherteams ergeben. „Na und?“ könnte man fragen. Aber die Schlussfolgerungen der Forscher sind spannend: Sie zeigen, wie die Natur mit der Herausforderung des Klimawandels umgeht.

In den 1960er Jahren bildeten langzüngige Hummeln und  langkelchige Blüten eine wunderbare Partnerschaft. Die Hummeln boten verlässliche Bestäuberdienste und im Gegenzug hatten sie den alleinigen Zugang zu einer stabilen Nektarquelle, die tief im Innern der Blüte verstecket war.  Dann kamen die wärmeren Sommer und die alpine Flora reagierte mit einer Verringerung der Blütenpracht. Seit den 1970er Jahren ist die Anzahl der Blumen, die den Bienen in den untersuchten Berggebieten zur Verfügung standen, um insgesamt 60 Prozent zurückgegangen.

Die langzüngigen Hummeln reagierten auf die Knappheit ihrer bevorzugten Blüten, indem sie weniger selektiv wurden. Das Spektrum ihrer Trachtpflanzen veränderte sich signifikant und umfasste jetzt auch Blüten mit kürzeren Kelchen. Gleichzeitig brachten die wärmeren Temperaturen neuen Wettbewerb um Pollen und Nektar. Bienen aus niedrigen Höhenlagen drängen in den angestammten Lebensraum der Hummeln ein.

Mit den Jahren hat dies zu einer evolutionären Veränderung geführt. Der Aufbau einer längeren Zunge kostet mehr Energie, und so wurden die Zungen allmählich kürzer – inzwischen um 24 Prozent. „Die Wandlung fand in 40 Jahren statt, in 40 Generationen, sollte ich besser sagen, weil diese Hummeln nur eine Generation pro Jahr hervorbringen. Das ist ein ziemlich kurzer Zeitraum für eine so dramatische Veränderung“, erläutert Nicole Miller-Struttmann, Leitautorin der Studie. Die schnelle Evolution der Bestäuber lässt darauf schließen, dass wir die Berghummel vorerst nicht aufgeben müssen.

Aber was ist mit den Blumen?
Die Wissenschaftler konnten keine Hinweise darauf finden, dass sich die langkelchigen Blumen verändert hatten. Aktuell sind die ehemals langzüngigen Hummeln und ihre traditionellen Trachtpflanzen daher keine ideale Paarung. Da die Hummeln jetzt vermutlich keine so guten Bestäuber mehr für diese Blüten sind, könnte dies einen weiteren Rückgang dieser Pflanzenspezies zur Folge haben. Langfristig werden sich die Blumen vielleicht auch weiterentwickeln, aber ihre Generationszeit erstreckt sich über Dekaden, nicht Jahre. Der Wandel wird also langsamer verlaufen – oder vielleicht erst gar nicht stattfinden.

Wir können aber den Hummeln und den Blumen dabei helfen, sich an eine wärmere Welt anzupassen, indem wir die Naturschutzgebiete erweitern und/oder sicherstellen, dass es grüne Verbindungskorridore zwischen isolierten Rückzugsgebieten gibt.

Die Studie “Functional mismatch in a bumble bee pollination mutualism under climate change” von Nicole E. Miller-Struttmann et al. wurde im Online-Magazine “Science” veröffentlicht.
Sie wurde von weiteren Online-Medien aufgriffen, darunter von wired.com und Science Daily.

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