Willkommen bei Bayer bee care

Neue Technologie reduziert Beizmittelstaub auf dem Feld

Mit Wasser gegen den Staub

Beizmittel bilden eine Schicht um das Saatgut, die sowohl den Samen als auch den sprießenden Keimling vor Insekten und Pilzerkrankungen bewahrt. Bei der Aussaat von behandeltem Saatgut können sich unter Umständen feine Partikel aus dieser Hülle von den Körnern lösen und in die Umwelt gelangen. Jetzt haben Bayer-Forscher in Österreich eine neue Technologie zum Nachrüsten von Sämaschinen mitentwickelt: Der AirWasher wäscht Beizteilchen einfach aus der Abluft der Sämaschinen und verringert so weiter die Staubbelastung für Bienen und andere Nützlinge.


Mit Wasser gegen den Staub

Auf einen Blick

// Bei der Aussaat von mit Beizmitteln behandeltem Saatgut kann unter Umständen Staub in die Umwelt gelangen, der mögliche Risiken für Nutzinsekten wie Bienen bedingt.

//  Mit dem AirWasher werden bis zu 97 Prozent des Beizmittelstaubs mithilfe von Wassertröpfchen aus der Luft gefiltert.

//  AirWasher lassen sich leicht bei Deflektoren leicht nachrüsten und haben einen geringen Wasserverbrauch.


Airwasher

Sprinkleranlage für den Acker

Während der Aussaat auf dem Feld wird Luft aus der Sämaschine ausgeblasen. Das Prinzip des AirWashers ist es, potenzielle Feinstaubpartikel aus der ausgeblasenen Luft zu filtern. Dazu wird Wasser aus einem Tank gepumpt und über eine Düse im Ausblasrohr fein versprüht.
Feinstaubpartikel aus der ausgeblasenen Luft verbinden sich bei Kontakt mit den Wassertropfen. Durch diesen Prozess werden die gebundenen Feinstaubpartikel eingefangen und aus der Abluft entfernt, die in die Umwelt freigesetzt wird. Stattdessen tropfen die Partikel einfach ab und werden auf den Boden abgeleitet.

Bei der Saatbeize mit systemischen Insektiziden wird das Samenkorn mit einer festen Schicht, die den Wirkstoff enthält, umhüllt. Diese Beize bewahrt das Samenkorn während der Keimung vor Insekten und schützt den Keimling in der Anfangszeit, denn über die Wurzeln nimmt die junge Pflanze die Wirkstoffe weiterhin auf. Während der Aussaat behandelter Saatkörner kann aber ein geringer Teil der Beize, der durch mechanische Belastung während oder vor dem Vorgang des Säens abgerieben wurde, als feiner Staub in die Umwelt gelangen. Hoch entwickelte Beiztechnologie und ein sicheres Qualitätsmanagement stellen von vornherein eine hohe Abriebfestigkeit sicher.
Dennoch kann geringer Staubabrieb in manchen Kulturen, wie zum Beispiel Mais oder Sonnenblumen, nicht gänzlich verhindert werden. Alle Sämaschinen können gewisse Mengen Beizstaub in die Umwelt freilassen. Solche, die mechanisch oder durch pneumatischen Druck funktionieren, verursachen allerdings deutlich weniger Staub als vakuum-pneumatische Sämaschinen.

In der Europäischen Union sind spezielle Staubschutzsysteme für pneumatische Sämaschinen bereits vorgeschrieben. Deshalb nutzen Landwirte meist sogenannte Deflektoren, Aufsätze oder Rohrstücke, die die Abluft so umleiten, dass sie nicht nach oben ausgestoßen wird, sondern unter dem Fahrzeug direkt über dem Boden (siehe auch “Schutz für Ungarns Bienen” ).

Nachdem die Abluft durch die Deflektoren umgeleitet wurde, können Staubpartikel in der Luft mit Wassertropfen gebunden werden. So wird auch bei Straßenarbeiten oder beim Abriss von Häusern die Staubverbreitung verhindert, indem die Baustelle intensiv beregnet wird. Das gleiche Prinzip kommt jetzt auch in der Landwirtschaft zur Anwendung. Bayer-Experten in Österreich haben eine neue Technologie erfunden, mit der sie die Staubemission noch weiter minimieren:

Airwasher

Einfach nachgerüstet: Gängige Sämaschinen-Typen mit Deflektoren können zusätzlich mit einem AirWasher ausgestattet werden. Der Bausatz, inklusive Schlauch und einer elektronischen Pumpe, ist benutzerfreundlich und kostengünstig.

„Um den Staub zu binden, haben wir uns das Prinzip aus dem Strassenbau abgeschaut“, sagt Karl Neubauer,
Entwicklungsleiter bei Bayer in Österreich.
Aus einem Behälter wird Wasser versprüht. Das haben wir uns für die Landwirtschaft abgeschaut.” Auf Grundlage der Deflektor-Technologie hat er die Idee gemeinsam mit Dr. Reinhard Frießleben und Armin Lind im Zentrum für Applikationstechnik in Monheim sowie mit dem Düsen- Hersteller Lechler zu einer neuen, innovativen Technologie weiterentwickelt: dem AirWasher – einem Bausatz, mit dem Deflektoren bei allen gängigen Sämaschinen-Typen mit relativ geringem Aufwand nachgerüstet werden können. „Schon durch die Deflektoren lässt sich die Staubbelastung in der Umgebung deutlich reduzieren. Der AirWasher aber holt noch deutlich mehr Staub aus der Luft“, erklärt Neubauer. Die Abluft der Sämaschine wird mit feinem Wassernebel besprüht. Die kleinen Tröpfchen mischen sich mit den Staubpartikeln, das Wasser fließt dann mitsamt dem Beizstaub in den Ackerboden ab.

Das Julius Kühn-Institut testet im Vergleich zu einer Referenzmaschine, wie viel Beizstaub sich im schlimmsten Fall bei der Aussaat behandelter Samen bilden kann. Die Ergebnisse mit dem AirWasher zeigen dagegen eine enorme Verbesserung: „Im Vergleich zu einer herkömmlichen Sämaschine ohne Staubschutz reduziert sich die Staubmenge mit der neuen Technologie um bis zu 97 Prozent“, so Neubauer. Deflektoren mit einem AirWasher nachzurüsten, ist kostengünstig und einfach. Damit sich der Einsatz der Technologie wirtschaftlich lohnt, haben die Entwickler das Gerät außerdem besonders wassersparend ausgelegt: Für einen Hektar Acker werden bis zu 15 Liter Wasser benötigt. So müssen die Landwirte den Tank nur einmal am Tag füllen.

 

Fazit

Die AirWasher-Technologie ist für die meisten Produkte zur Saatgutbehandlung einsetzbar, darunter auch Neonikotinoide. Die Verwendung einiger dieser Wirkstoffe wurde für den Anbau bestimmter Kulturpflanzen in der Europäischen Union eingeschränkt.

Technologien wie der AirWasher können die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln noch sicherer machen. Auf diese Weise lässt sich gewährleisten, dass chemische Substanzen dort bleiben, wo man sie braucht. Die potenzielle Belastung der Umwelt durch Pflanzenschutzmittel kann so deutlich reduziert werden.


Interview


Pflanzen und Bienen schützen
Karl Neubauer

Karl Neubauer arbeitet bei Bayer in Österreich und ist Entwicklungsleiter. Er ist unter anderem für die Produktentwicklung und -sicherheit zuständig und hat die AirWasher-Technologie von Beginn an begleitet.

Wie ist die Bedeutung der AirWasher-Technologie einzuschätzen?

Wirkstoffe für den Pflanzenschutz sind unverzichtbar, damit Landwirte gute Ernten und ein sicheres Einkommen generieren können. Mit den Deflektoren und dem AirWasher haben wir jetzt einen Weg gefunden, hervorragenden Pflanzenschutz und effektiven Bienenschutz in Einklang zu bringen.

Warum ist es gerade bei der Aussaat wichtig, eine potenzielle Umweltbelastung zu verhindern?

Meist säen die Landwirte zwischen Mitte April und Anfang Mai, wenn viele Frühblüher wachsen und Bienen aktiv werden. Zu diesem Zeitpunkt ist es besonders wichtig, eine potenzielle Staubbelastung zu minimieren. Der AirWasher kann hier einen wichtigen Beitrag leisten.


Weitere Inhalte zum Thema:

Die Staubfalle
Im Project "Zero Dust", arbeiten Experten von Bayer daran, die Entwicklung und Emission von Beizmittelstaub noch weiter zu reduzieren – und damit die Aussaat gebeizter Saatkörner für Bestäuber und die Umwelt noch sicherer zu machen.

Sicherheit steckt im Detail
Mehr über innovative Technologien, die die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln noch sicherer für die Umwelt und Bestäuber machen, können Sie in dem Artikel „Sicherheit steckt im Detail“ aus dem Magazin Farming’s Future lesen.




Vollständiger Artikel

Neue Technologie reduziert Beizmittelstaub auf dem Feld Mit Wasser gegen den Staub
Back To Top