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Bestäuber im Visier

Bienenforschung in Brasilien

3.000 Bienenarten fliegen durch Brasilien – aufgrund der unterschiedlichen Klimazonen und der landwirtschaftlichen Areale ist auch die Vielfalt möglicher Bestäuber groß. Bienen können gezielt helfen, dass zum Beispiel Melonenpflanzen und Cashewbäume mehr und hochwertigere Früchte tragen. Doch um zu wissen, welche Bestäuber für welche Nutzpflanzen wichtig sind, ist noch weitere Forschung nötig. Bayer kooperiert daher mit südamerikanischen Bienenforschern, um Wissenslücken zu schließen.


Bienenforschung in Brasilien

Auf einen Blick

// Die Vielfalt von Insektenarten in Brasilien ist beträchtlich – doch ihre Bestäuberqualitäten sind bislang kaum erforscht.

// Bayer kooperiert mit Bienenexperten des Landes, um die Bienengesundheit zu verbessern und gezielt durch Insektenbestäubung Ernten zu steigern.


Sunflower cultivation in Spain

Das Klima in Brasilien variiert erheblich: vom tropischen Norden, nahe des Äquators, zum gemäßigten Klima im Süden – und von der halbtrockenen Region im Nordosten zum feuchten Regenwald am Amazonas. Die verschiedenen Lebensräume spiegeln sich auch in der Vielfalt und Fülle der Tier- und Pflanzenwelt wider: Brasilien ist eines der artenreichsten Länder der Erde. Allein die Anzahl von Insektenarten wird auf mehr als 70.000 geschätzt – darunter viele wichtige Bestäuber. Doch wie Pflanzen und Bienen interagieren, und vor allem welche Schlüsse sich daraus für die Landwirtschaft schließen lassen, ist noch zu großen Teilen unbekannt. Diese Wissenslücken wollen Bayer-Forscher gemeinsam mit Bienenexperten wie Professor Dr. Breno Magalhães Freitas schließen.

„Wir müssen erforschen, unter welchen Bedingungen verschiedene Bestäuber am besten gedeihen.“

Der Agrarwissenschaftler von der Universidade Federal do Ceará in der brasilianischen Küstenstadt Fortaleza untersucht Bestäuber in der Landwirtschaft. „Ich möchte herausfinden, welche Bienenarten welche Pflanzen bestäuben – und unter welchen Kultivierungsmethoden sie das tun“, sagt er. Er erforscht, welche Insekten als Bestäuber fungieren, wodurch sie die Ernten verbessern könnten – und welche lediglich Besucher auf dem Feld sind oder sogar Schaden anrichten können. „Wenn wir wissen, welche Bestäuber in der Landwirtschaft wichtig sind, müssen wir erforschen, unter welchen Bedingungen sie sich am wohlsten fühlen und welche landwirtschaftlichen Methoden helfen können, sie zuverlässig anzulocken. Dazu gibt es gerade in den Tropen noch eine Menge Forschungsbedarf“, erklärt Professor Freitas.

Professor Freitas

Der Agrarwissenschaftler Professor Dr. Breno Magalhães Freitas von der Universidade Federal do Ceará in Brasilien dokumentiert die Anzahl von Solitärbienen in den aufgestellten Nistkästen.

Rund 3.000 verschiedene Bienenspezies gibt es in Brasilien – ein Forschungsparadies für Bienenexperten wie Professor Freitas. Viele seiner Studien belegen eindrucksvoll, dass Bestäuber wie Bienen einen wichtigen Beitrag zur Nahrungssicherung leisten können. Er untersuchte beispielsweise den Einfluss von Insektenbestäubung in einer von Brasiliens wichtigsten Kulturen, der Sojabohne: Die Ernte auf Testfeldern, in die wilde Bestäuber und Honigbienen flogen, fiel um beinahe 20 Prozent höher aus als auf Vergleichsfeldern. Und das, obwohl Sojapflanzen sich auch selbst bestäuben können.

„Insekten können uns dabei helfen, die Erträge auf bestehenden Flächen zu steigern, ohne neue Ackerflächen erschließen zu müssen“, erklärt Professor Freitas.

Und das gilt nicht nur für Soja. Viele weitere Kulturpflanzen Brasiliens profitieren ebenfalls von bestäubenden Insekten. Fliegen, Motten und Bienen helfen etwa, dass Cashewbäume höhere Ernten tragen. Ebenso hängen viele Wassermelonensorten komplett von der Hilfe der Insekten ab.

Der Ökologe entwickelt künstliche Nistmöglichkeiten für Solitärbienen, die zum Beispiel auf Acerola- Plantagen besonders reiche Ernten reifen lassen könnten. Professor Freitas beschäftigt sich außerdem damit, welche in Brasilien einheimischen Bestäuber sich in Gewächshäusern wohl fühlen – und dort gezielt eingesetzt die Erträge steigern könnten. „Eine Stachellose Bienen könnte sich zum Beispiel für die Bestäubung von Paprika in Gewächshäusern eignen“, erklärt er. Bei seinen Forschungen hat er auch gleich den nächsten Schritt im Blick: Er optimiert Züchtungsmethoden für Bienen, um im Bedarfsfall eine möglichst große Zahl geeigneter Bestäuber auf Felder, Plantagen und in Treibhäuser schicken zu können.

Prof David de Jong

Professor Dr. David de Jong untersucht Proben von Honigwaben, um mehr über den Zusammenhang von Honigbienengesundheit und ihrer Ernährung herauszufinden.

Diese Möglichkeiten lassen sich nur umsetzen, wenn auch Landwirte in die Bestäuberforschung miteinbezogen werden. Gerade in Südamerika, in Ländern wie Brasilien, kann das Miteinander von Imkern, Wissenschaftlern und Landwirten die Forschung anspornen. Bayer unterstützt daher den Austausch aller Interessengruppen und bringt sie gemeinsam an einen Tisch. Zwar nicht in Südamerika, aber im Bee Care Center in Monheim, trafen sich im Frühjahr 2015 rund ein Dutzend Bienenexperten, darunter Universitätsforscher und Vertreter von Agrar- und Imker- Organisationen, zu einem Workshop.

Gemeinsam mit Bienenexperten von Bayer tauschten sie sich über die aktuelle Lage aus und diskutierten, wie künftige Strategien, Maßnahmen und Kooperationen aussehen könnten. Auch Professor Freitag war mit dabei: „Ich kann mir gut vorstellen, künftig mit Bayer zusammenzuarbeiten, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und den Landwirten wirkungsvolle Managementempfehlungen geben zu können.“ Erste Gespräche zu möglichen Kooperationen laufen derzeit.

Sunflower cultivation in Spain

Unter den Workshop Besuchern war auch Professor Dr. David de Jong von der Universität São Paulo in Brasilien. Er hat schon in verschiedenen Studien mit Bayer kooperiert. Eines seiner Forschungsgebiete: Ernährung der Honigbienen. Gerade in von intensiver Landwirtschaft geprägten Gebieten stehen oft nicht genügend natürliche Nahrungsquellen über die gesamte Saison zur Verfügung. Imker füttern ihren Völkern dann zu. „Aber nicht jede Zusatznahrung ist für Bienen gleich gut geeignet“, erklärt der Entomologe. Sein Team hat daher einen Schnelltest für das Labor entwickelt, der zeigt, wie gut Bienen eine Pollenersatznahrung verwerten. „Damit können wir viele verschiedene Mischungen in sehr kurzer Zeit testen und verstehen, warum bestimmte Gemische in manchen Regionen Brasiliens gut funktionieren, aber für andere Bienen sogar schädlich sein können“, sagt Professor de Jong.

Sunflower cultivation in Spain

Farmer erwirtschaften hochwertigere Melonen, wenn die Pflanzen von Insekten bestäubt wurden.

Auch die Bedingungen, unter denen die Bienen die künstliche Nahrung annehmen, interessieren ihn. Bei seinen Feldstudien haben Bayer-Forscher ihn schon mehrfach unterstützt, so beispielsweise bei einem gemeinsamen Projekt mit Melonen-Farmen. „Wir haben mit Bayers Unterstützung Untersuchungen in einer der rauesten Regionen für Bienen durchgeführt: in Mossoró, im Nordosten Brasiliens. Dort ist es so trocken, dass die Bienen manchmal das ganze Jahr kein natürliches Futter zur Verfügung haben“, berichtet der brasilianische Wissenschaftler. Gerade finanziert Bayer den Besuch des US-amerikanischen Bienenexperten Dr. Gordon Wardell in Brasilien, der eine markttaugliche Pollenersatznahrung entwickelt hat. „Von seiner Erfahrung können wir sicher profitieren“, betont Professor de Jong.

Auch weitere Projekte in Zusammenarbeit mit Bayer sind geplant: „Wir wollen noch neu entwickeltes und besonders nahrhaftes Bienenfutter testen. Und wir machen uns Gedanken, wie man eine einfache, maschinelle Lösung für den Transport der Bienenstöcke umsetzen könnte“, sagt er. Die Ergebnisse solcher Kooperationen sollen in Zukunft Imkern wie auch Landwirten zugutekommen – und das nicht nur in Brasilien. „Unsere Erkenntnisse und Entwicklungen können auch in anderen Ländern zum Schutz der Bienen beitragen, vor allem aber in anderen Regionen Lateinamerikas“, fasst Professor de Jong zusammen.


Fazit

Forschung lebt vom Austausch – Bayer arbeitet daher auch weiterhin eng mit Universitäten und Partnern in Sachen Bienenforschung und -schutz zusammen.

Bayer führt weitere Studien mit brasilianischen Forschen durch, um die Nahrung für Honigbienen zu optimieren.


Sunflower cultivation in Spain
Statement Roberta Nocelli

Roberta Nocelli ist Professorin am Center of Agrarian Sciences in der Universidade Federal de São Carlos. Sie untersucht die Biologie der Bienen, ihre Rolle als Bestäuber und wie sie von der Landwirtschaft beeinflusst werden.

„Brasilien hat die höchste Bienen-Artenvielfalt der Welt – und zugleich eine starke Landwirtschaft. Um beides zu erhalten, müssen bestehende Ökosysteme geschützt werden und Pflanzenschutzmittelhersteller, Forscher, Landwirte und Imker miteinander ins Gespräch kommen. So sind auch schon erste gute Ergebnisse zustande gekommen. Auf dem Workshop im Bee Care Center etwa wurde klar, was noch erforscht werden muss, um Bienen in einer von Landwirtschaft geprägten Umgebung wirkungsvoll zu schützen.“

Statement Stephan Carvalho

Stephan Carvalho ist Imker, Entomologe und Professor an der Universidade Federal de Uberlândia. Er erforscht, wie sich Pflanzenschutzmittel und Imkerei- Methoden auf die Bienengesundheit auswirken.

„Brasilien ist ein durch die Agrarwirtschaft geprägtes Land. Der Schutz von Artenvielfalt und der facettenreichen Umwelt ist eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Fortschritte wird es nur geben, wenn umweltfreundliche Managementmethoden und Schulungsprogramme für Landwirte und Imker entwickelt werden, die das Bewusstsein für die Probleme schärfen.“

Sunflower cultivation in Spain
Sunflower cultivation in Spain
Statement Decio Gazzoni

Der Wissenschaftler Decio Gazzoni leitet das Forschungsprogramm „Agriculture and Pollination Service“ bei der brasilianischen Agrarforschungsorganisation EMPRAPA.

„Es gibt noch großen Forschungsbedarf zu vielen Bestäubungsthemen. Bei der EMPRAPA untersuchen wir zum Beispiel die regionale Häufigkeit verschiedener Bestäuberarten, verfügbare Nahrung und Nistplätze, ökonomische und ökologische Aspekte und den Einfluss von landwirtschaftlichen Praktiken. Wir arbeiten dazu mit vielen Partnern zusammen und seit kurzem auch mit Bayer. Beim Workshop in Monheim haben wir eine fünfjährige Zusammenarbeit beschlossen. Ein Fokus der neuen Forschungskooperation liegt auf dem Sojaanbau in Brasilien.“


Weitere Informationen zum Thema
Zahlen & Fakten

5 Millionen

Die Imker in Brasilien kümmern sich um insgesamt 5 Millionen Honigbienenvölker.
In Brasilien leben schätzungsweise 3.000 unterschiedliche Bienenarten.

Riesen der Lüfte

In Südamerika lebt die vermutlich größte Hummel der Welt: Bombus dahlbomii. Die Königin dieser Art wird bis zu vier Zentimeter lang – Einheimische nennen sie sogar „fliegende Maus“.




Vollständiger Artikel

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