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Die Varroa-Milbe

Varroa destructor

Der größte Feind der Honigbiene ist eine nur rund 1,6 mm kleine zerstörerische Milbe mit dem Namen Varroa destructor. Sie hat sich fast überall auf der Welt verbreitet, sodass man heute kaum noch Varroa-freie Honigbienenkolonien findet. Nur Australien ist bislang verschont geblieben und hat eine der gesündesten Populationen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) weltweit. Die Varroa-Milbe saugt das Blut der Honigbienen und überträgt zusätzlich gefährliche Viruskrankheiten. In der wissenschaftlichen Welt ist man sich inzwischen weitgehend einig, dass sie die größte Bedrohung für die Bienengesundheit darstellt.

Die Milbenwanderung

Mite Migration chart

Ausbreitung der Varroa-Milbe

Ihren Ursprung hat die Varroa-Milbe in Asien. Sie wurde das erste Mal vor 100 Jahren auf der Insel Java in Indonesien beschrieben. Der holländische Zoologe Anthonie Cornelis Oudemans gab ihr den Namen Varroa jacobsoni. Ursprünglich befiel die Milbe die Asiatische Honigbiene (Apis cerana). Diese konnte sich als Wirtstier über Jahrtausende erfolgreich an den Parasiten anpassen: Durch ausgeprägtes Putzverhalten im Stock und andere Verhaltensweisen bekämpfen die Bienen die Milben und begrenzen so den Schaden am Volk.

Als europäische Siedler Anfang des 19. Jahrhunderts die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) nach Asien brachten, befiel die Varroa-Milbe auch diese Völker. Der Parasit wurde dann mit infizierten Bienenvölkern über Russland und Osteuropa 1978 nach Deutschland eingeschleppt.

Varroa Mite on bee

Ursprünglich ging man davon aus, dass nur die Milbe Varroa jacobsoni für den weltweiten Bienenschaden verantwortlich ist. Neuere genetische Untersuchungen aus dem Jahr 2000 haben jedoch gezeigt, dass es 18 genetisch unterschiedliche Typen gibt, die heute zwei Hauptgruppen zugeordnet werden: Varroa jacobsoni und Varroa destructor. Der neu identifizierte Typ Varroa destructor richtet mittlerweile sehr große Schäden in Europa an, denn die Westliche Honigbiene verfügt über keine ausreichenden Abwehrfunktionen. Ein stabiles Parasit-Wirt-Verhältnis hat sich noch nicht eingestellt.

Mittlerweile hat sich die Milbe in nahezu alle Regionen der Welt ausgebreitet: Sogar Neuseeland und Hawaii vermeldeten im Jahr 2000 erstmals einen Befall. Bislang ist nur Australien verschont geblieben.

Als Passagier auf der Honigbiene gelangt die Varroa-Milbe von einem Bienenstock zum nächsten. Denn Bienen aus unterschiedlichen Völkern kommen auf der Nahrungssuche immer wieder miteinander in Kontakt, sogar über mehrere Kilometer hinweg. Auch Bienenvölker, die gegen Varroa behandelt wurden, sind dadurch dem Invasionsdruck unbehandelter Völker ausgesetzt – sie können erneut befallen werden. Eine hohe Bienendichte in manchen Gebieten begünstigt die Verbreitung der Milben zusätzlich. Die Einschleppung neuer Varroa-Milben – die sogenannte Milben-Reinvasion – wurde lange unterschätzt.

Die parasitische Varroa-Milbe... ...kommt ursprünglich aus Asien. Von dort aus hat sie sich mittlerweile in Richtung Westen beinahe in der ganzen Welt verbreitet - und bedroht dort die Westliche Honigbiene. Einzig in Australien ist die Milbe bisher noch nicht gesichtet worden.

Die Fortpflanzung der Varroa-Milbe

Reproduction of the varroa mite

Die Varroa-Milbe befällt sowohl adulte Bienen als auch ihre Brut. Der Parasit pflanzt sich aber ausschließlich in den geschlossenen Brutzellen der Bienen fort. Kurz vor dem Verdeckeln dringen die Varroa-Weibchen in die Brutzellen ein und wandern zum Boden der Zelle – sie verstecken sich zum Schutz vor den brutpflegenden Bienen unter den Bienenlarven.

Dort liegen sie im Futtersaft der Bienenbrut. Ist dieser aufgebraucht, sticht die Varroa-Milbe die Bienenlarve und beginnt die Hämolymphe, eine blutähnliche Flüssigkeit, zu saugen. Das Immunsystem der Larve wird angegriffen, ihre Lebenserwartung sinkt. Die Reproduktion der Varroa-Milben findet ausschließlich in den geschlossenen Brutzellen der Honigbiene statt, und eine Varroa-Population kann sich während der Saison alle drei bis vier Wochen verdoppeln.

Bevor die Biene schlüpft, sollen alle Milben-Weibchen begattet werden, denn nach dem Schlupf der Biene sterben die Männchen und die unbegatteten Milben-Weibchen ab. Die begatteten Varroa-Weibchen können auch außerhalb der Brutzellen überleben, indem sie sich an den adulten Bienen festsaugen und von der Hämolymphe ernähren. Der Parasit hat seinen Lebensraum und die Nahrung optimal an seinen Wirt angepasst.

Übertragung der Bienenviren

Während der Parasit an den Larven saugt, überträgt er auch für die Bienen gefährliche Viren direkt in ihre Hämolymphe. Während dieser sensiblen Entwicklungsphase der Biene können sich die Viren in ihr ausbreiten und sie schädigen. Rund 20 verschiedene Viren wurden bislang bereits entdeckt.

Auf einen Blick

  • Sie schwächt das Immunsystem der Honigbiene, wodurch Viruskrankheiten verstärkt ausbrechen.
  • Sie übertragt Viren, wodurch diese sich schneller im Bienenvolk und zwischen verschiedenen Bienenvölkern ausbreiten.
  • Sie überträgt Viren direkt in die Hämolymphe der Biene - zuvor harmlose Viren können dadurch tödlich sein.

Weit verbreitet ist beispielsweise das Flügeldeformationsvirus (Deformed Wing Virus, DWV), das sowohl bei der Bienenbrut als auch bei den adulten Bienen vorkommen kann. Bei letzteren bleibt die Infektion jedoch ohne Symptome. Überträgt der Parasit das Virus aber bereits bei einer Bienenpuppe, so entwickeln sich bei dem Bienennachwuchs verkrüppelte Flügel. Die Biene kann nicht fliegen – sie ist oftmals nicht lebensfähig.

Zudem kann die Milbe auch andere Viren übertragen, wie das Akute Paralyse-Virus (APV), das erwachsene Bienen sowie Larven befallen kann. Es kommt vor allem im Fettkörper und in den Speicheldrüsen der Biene vor, verursacht dann aber keine typischen Krankheitszeichen. Bei der Übertragung durch die Varroa-Milbe gelangt das Akute Paralyse-Virus hingegen direkt in die Hämolymphe der Biene. Von dort aus befällt es die lebenswichtigen Organe. Im Gehirn löst das Virus beispielsweise Störungen des Verhaltens, der Orientierung sowie der Entwicklung aus – diese Folgen sind für die Biene tödlich. Besonders bei den Winterbienen ist eine Infektion mit APV kritisch – die Winterfestigkeit wird stark beeinträchtigt.

Bekämpfung der Varroa-Milbe

Da sich die Westliche Honigbiene aus evolutionstechnischer Sicht noch nicht allzu lange mit dem eingeschleppten Parasiten auseinandersetzen muss, hat sie noch keine ausreichenden Abwehrfunktionen gegen ihn entwickelt. Ohne imkerliche Hilfe stirbt ein von Varroa-Milben befallenes Bienenvolk in der Regel innerhalb von ein bis drei Jahren.

Für Imker weltweit gehört die Bekämpfung der Varroa-Milbe daher zu einer der Hauptaufgaben bei der Sicherung der Bienengesundheit. Besonders im Spätsommer besteht ihre wichtigste Arbeit darin, den Befall im Bienenstock einzudämmen. Nur so überlebt eine ausreichende Zahl Winterbienen die kalte Jahreszeit und kann sich im nächsten Frühjahr wieder zu einem starken Volk entwickeln.

Bevor der Imker Behandlungsmaßnahmen ergreifen kann, muss er regelmäßig prüfen, ob und wie stark seine Bienenvölker mit Varroa-Milben befallen sind. Dann entscheidet er, welche Vorgehensweise angemessen ist. Diagnosen sollten aber auch während und nach der Milben-Behandlung durchgeführt werden, um den Erfolg der Maßnahme zu überprüfen.

Zur Bekämpfung der Varroa-Milbe stehen derzeit verschiedene chemische oder biotechnische Möglichkeiten zur Verfügung.

Wichtig ist: Eine einzige Behandlung am Ende der Bienensaison reicht nicht aus, um das Bienenvolk vor den Parasiten zu schützen. So wird zwar die Anzahl der Milben spät im Jahr gesenkt, doch Bienen, die sich während der starken Milbenbelastung zuvor entwickelt haben, sind erheblich geschwächt – es ist unsicher, ob das Volk bis zum Frühjahr überlebt. Imker müssen außerdem je nach Standort und eigener Betriebsweise geeignete Verfahren kombinieren. Temperatur- und umweltabhängige Produkte zur Varroa-Behandlung eignen sich nur in bestimmten Regionen der Welt.

In vielen Ländern sind die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten eingeschränkt. Nichtsdestotrotz können die zur Verfügung stehenden Bienenarzneimittel und biotechnischen Maßnahmen, kombiniert mit guter imkerlicher Praxis, den Einfluss des Schädlings zumindest eindämmen.

Der Durchbruch in der Züchtung Varroa-toleranter Linien der Westlichen Honigbiene ist bislang noch nicht gelungen, auch stehen bislang keine Behandlungsmöglichkeiten für die zahlreichen Bienenviren zur Verfügung.

Weitere informationen (Video):

Varroa destructor: eine bleibende Herausforderung

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Die Varroa Milbe - Ein gefährlicher Bienenparasit

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