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Krankheiten und Krankheitserreger

Die Gesundheit der Honigbienen wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Neben der Varroa-Milbe kann das Bienenvolk von zahlreichen weiteren Krankheitserregern befallen werden:

Nosemose

Die Nosemose (auch Nosema) ist eine durch einzellige Pilzparasiten verursachte Erkrankung bei Honigbienen. Sie ist die häufigste Tierseuche bei erwachsenen Bienen und hochansteckend.

Nosemosis

Die Verursacher der Krankheit, Nosema apis und Nosema ceranae, sind einzellige Pilzparasiten, die zur Gruppe der Kleinsporentierchen gehören. Die Sporen werden von den Bienen über das Futter und an Tränken sowie beim Reinigen der Waben oder anderer Beutenteile aufgenommen. Schon wenige Sporen können zu einer Infektion führen. Die Sporen gelangen nach der Aufnahme in den Mitteldarm der Biene und richten hier eine erhebliche Zerstörung am Darmepithel an, die die Stoffwechselleistung der Biene stark reduziert.

Der ursprünglich bei der Östlichen Honigbiene vorkommende Erreger Nosema ceranae konnte 2005 erstmals auch an der Westlichen Honigbiene nachgewiesen werden. Seitdem breitet sich Nosema ceranae in ganz Europa aus. Besonders in Spanien ist Nosema ceranae weit verbreitet und verursacht dort hohe Bienenverluste.

Durch häufig im Frühjahr anzutreffende ungünstige Faktoren wie schlechte Witterung, unzureichende Pollenversorgung oder ein ungünstiger Bienenstandort kann es zum Ausbruch von Nosemose kommen.

Beide Erreger führen zu schweren Darmerkrankungen und können eine verkürzte Lebensdauer der adulten Bienen zur Folge haben. Ein Merkmal der Infektion mit Nosema apis sind braune oder gelbe Kotflecken im Bienenstock und auf den Waben. Bei Nosema ceranae-Infektionen fehlt allerdings das beschriebene typische Erscheinungsbild. Hier deutet sich die Krankheit vor allem dadurch an, dass die Zahl der Bienen im Bienenstock langsam zurückgeht.

Die Übertragung der Nosemose auf andere Völker kann durch kontaminierte Waben oder Gerätschaften des Imkers sowie durch Räuberei und Verfliegen einzelner Bienen erfolgen. Dadurch kommt der Desinfektion des vorhandenen Beuten- und Wabenmaterials sowie des Imkerwerkzeugs bei Ausbruch der Krankheit eine hohe Bedeutung zu.

Amerikanische Faulbrut

Der Erreger der Amerikanischen Faulbrut, Paenibacillus larvae, bildet sehr widerstandsfähige Sporen, die ausschließlich die Larven der Honigbiene über die aufgenommene Nahrung infizieren. Die Sporen gelangen mit dem Futter in den Mitteldarm und durchdringen dann das Darmepithel, um sich im übrigen Gewebe der Larve schnell zu vermehren. Die Brut stirbt darauf im Streckmaden- oder Vorpuppenstadium und somit in der gedeckelten Zelle ab.

American foulbrood

Erst danach werden die typischen Symptome der Infektionskrankheit sichtbar. Sie bestehen in verfärbten, eingesunkenen, oft auch löchrigen Zelldeckeln und der in der Brutzelle verbleibenden, fadenziehenden Masse, die schließlich zu Schorfen eintrocknet. Durch den so genannten Streichholztest, bei dem der Wabeninhalt fadenartig am Streichholz kleben bleibt, und eine Begutachtung der Zelldeckel kann die Krankheit unter anderem erkannt werden.

Die Krankheit verbreitet sich durch Körperkontakt und sozialen Futteraustausch im Bienenstock. Unterbrochen werden kann die Infektionskette lediglich, wenn die infizierten Larven noch vor der erneuten Sporenbildung von den Bienen erkannt und entfernt werden. Da jedoch Hygieneverhalten und die Fähigkeit, Sporen aus der Honigblase zu entfernen, von Rasse zu Rasse unterschiedlich sind, unterscheidet sich der Verlauf der Krankheit in den verschiedenen Völkern wesentlich. In der Regel werden sie früher oder später mit zunehmender Infektion der Brut immer schwächer und gehen schließlich ein.

Durch Honig räubernde und sich verfliegende oder schwärmende Bienen wird der Erreger der Amerikanischen Faulbrut in andere Völker verschleppt. Auch durch den Austausch von Brut und Futterwaben sowie über Beuten und Geräte kann sich die Krankheit verbreiten.

Die Amerikanische Faulbrut ist eine hochansteckende Krankheit und sollte so schnell wie möglich und umfassend gemäß den jeweiligen länderspezifischen Empfehlungen und gesetzlichen Regelungen behandelt werden.

Europäische Faulbrut

Der Erreger der Europäischen Faulbrut, Melissococcus plutonius, wird von den Larven mit dem Futter aufgenommen. Eine schwache Infektion können die Larven überleben. Oft gehen sie jedoch im Rundmadenstadium oder kurz nach der Verdeckelung an den von den Bakterien abgegebenen Toxinen ein. Die tote Brut hat dann einen typisch fauligen Geruch.

In einem infizierten Bienenvolk kann über Jahre ein Gleichgewicht zwischen der Vermehrung und der Elimination des Erregers bestehen. Die Bienen übertragen einerseits den Erreger mit dem kontaminierten Futter auf die Brut, andererseits entfernen sie ihn mit der ausgeräumten Brut und der Reinigung der Zellen. Das Hygieneverhalten der Bienen hat somit einen entscheidenden Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

Die erkrankten und geschwächten Völker sind häufig Ziel von räubernden Bienen. Über das Futter kann es somit zu einer massiven Infektion kommen.

Sollte das Volk sich nicht selbst heilen können, kann mit einer Reizfütterung der Putztrieb der Bienen angeregt werden. Auch ist es zu empfehlen, die am stärksten infizierten Brutwaben auszutauschen. Eine Reinigung der Waben in der Brutpause kann auch durch das Aufziehen einer neuen Königin erreicht werden.

Bei schwächer infizierten Völkern besteht eine Behandlungsmethode darin, Waben mit offener Brut zuzugeben. In diesem Falle kommt es durch den erhöhten Futterbedarf von infizierten Maden auch bei diesen zuerst zu Futtermangel. Dies erkennen die Bienen und räumen die Brut daraufhin aus.Die beste Vorbeugung gegen die Europäische Faulbrut ist die Sicherung eines guten Nektarangebots. Damit wird gewährleistet, dass die Bienen ihr Hygieneverhalten beibehalten und so mit der Krankheit fertig werden.

Kalkbrut

Die Kalkbrut ist eine Pilzerkrankung, die aus einer Infizierung der Larven der Honigbiene mit dem Erreger Ascosphaera apis resultiert. Die jungen Bienenmaden werden von dem Pilz durchsetzt, woraufhin die Brutfläche löchrig wird und die Brut im Streckmaden- oder Vorpuppenstadium abstirbt. Die infizierte Brut liegt locker in den Zellen und fällt beim Drehen der Wabe heraus.

Chalkbrood

Je nach Wachstum des Pilzes erscheinen die Mumien weiß bis grauschwarz und besitzen eine schwammige bis harte Konsistenz. Die Sporen des Pilzes werden mit den Bienen, den Waben und durch Luftzug verteilt und können immer wieder junge Rundmaden infizieren. Sie sind sehr widerstandsfähig und können auch in einer unbesetzten Beute bzw. in einem infizierten Volk bis zu 15 Jahre infektiös bleiben.

Die Kalkbrut benötigt, wie alle Pilzerkrankungen, zu ihrer Entwicklung ein feucht-kaltes Klima. In der Regel ist ein gesundes Bienenvolk in der Lage, das günstigste Klima von ca. 35 Grad Celsius und rund 60 % Luftfeuchte für seinen Bienenstock aufrechtzuerhalten, indem es entweder das Brutnest kühlt oder wärmt. Eine Schwächung des Volkes durch andere Krankheiten kann dazu führen, dass dieses Klima zusammenbricht. Aus diesem Grund sollten nur starke und vitale Völker auf dem Stand gehalten werden.

Zudem sollte auf einen ausgeprägten Putztrieb bei der Zuchtauslese geachtet und den Völkern des Weiteren nur so viel Platz gegeben werden, wie sie auch besetzen können. Bei genetisch bedingtem geringerem Bruthygieneverhalten der Bienen hilft das Ersetzen der alten Königin durch eine neue Reinzuchtkönigin. Völker mit einer höheren Bruthygiene erkennen die Schädigung bereits bei den Bienenlarven, sodass durch diese Eigenschaft keine Kalkbrutmumien entstehen können. Der Erreger kann sich nicht verbreiten.

Small hive beetle

Der Kleine Beutenkäfer

Der Kleine Beutenkäfer (Aethina tumida) misst zwar nur rund 5 mm, gehört jedoch zu den gefürchtetsten Bienenparasiten, da er bei Massenbefall innerhalb kürzester Zeit ein ganzes Bienenvolk vernichten kann. Im Gegensatz zu den afrikanischen Unterarten, die als ursprünglicher Wirt des Beutenkäfers Bekämpfungsmechanismen entwickelt haben, sind die europäischen Unterarten dazu kaum in der Lage.

Ursprünglich stammt der Kleine Beutenkäfer (Aethina tumida) aus Afrika südlich der Sahara. Seit 1998 wurde er aber ungewollt in die USA, nach Kanada, Mexiko, Jamaika, Australien und Kuba eingeschleppt, hat sich dort ausgebreitet und große Schäden angerichtet. 2004 wurde der Käfer erstmals in Europa, in Portugal, in einer Bienenköniginnen-Lieferung entdeckt und konnte vernichtet werden. 2014 hat der Kleine Beutenkäfer leider auch Italien erreicht und sich dort seitdem schnell verbreitet.

In seiner ursprünglichen Heimat Afrika gilt der Kleine Beutenkäfer als eher harmloser Schädling. Die afrikanischen Honigbienen haben Abwehrmechanismen entwickelt. Gegenüber ihren europäischen Verwandten entdecken sie befallene Brutzellen schneller und säubern ihren Stock gründlicher, bevor sie ausschwärmen. So wird dem Käfer die Grundlage zur Ernährung und Vermehrung genommen.

Verbreitungsgebiete des Käfers

Areas where the beetle have spread

Zusätzlich grenzen die Afrikanischen Honigbienen den Kleinen Beutenkäfer in einem stabilen Gefängnis ab, das sie aus selbst gesammeltem Kittharz, dem sogenannten Propolis, gebaut haben. Sogar eine Wächterin wird abgestellt, um den Feind zu überwachen. So setzen sich die Honigbienen gegen den gefräßigen Käfer zur Wehr, doch auch der Käfer hat dazugelernt: Er ahmt das Verhalten bettelnder Bienen nach, erschleicht sich so Futter und kann bis zu zwei Monate in seinem Gefängnis überleben. Glücklicherweise kann er sich unter diesen Bedingungen nicht paaren und vermehren.

Nachdem der Käfer in den Bienenstock eindringen konnte, legt er seine Eier in geschützte Verstecke ab, die von Bienen nicht zu erreichen sind. Die nach 2 bis 6 Tagen geschlüpften Larven ernähren sich von Honig, Wachs und Pollen – und sie zerstören den Wabenbau: Der Honig verdirbt und eignet sich nicht mehr zum Verzehr. Manche Bienenvölker verlassen den befallenen Stock sogar in einem Notschwarm.

Die Verpuppung des Käfers dauert ca. 3–4 Wochen und vollzieht sich im Boden unterhalb oder in der Nähe des Bienenstocks. Da die Verpuppung stark von der Bodentemperatur und -feuchtigkeit abhängig ist, kann die Zeitdauer deutlich variieren.

Was den vermehrungsfreudigen Käfer ebenfalls gefährlich für Bienenvölker macht: Er kann sehr gut fliegen, Strecken von bis zu 20 Kilometern zurücklegen – und sich so rasch ausbreiten. Bekämpfungsmethoden stehen derzeit kaum zur Verfügung.

Die wichtigste Schutzmaßnahme, um den Käfer wie auch andere gefährliche Bienenschädlinge und -krankheiten fernzuhalten, war die Einführung strenger Importregulierungen für Honigbienen aus dem Ausland. Taucht der Käfer in Europa trotzdem auf, gibt es derzeit nur eine Lösung: Der Imker muss den Schmarotzer melden – denn der Kleine Beutenkäfer ist in der EU ein gesetzlich meldepflichtiger Schädling. Die Bienenstöcke müssen also genauestens beobachtet werden. Denn im Fall einer Plage gibt es nur eine Chance, den Käfer auszurotten: ihn früh genug abfangen. Hat er sich erst einmal etabliert, ist dies nicht mehr möglich.

Asiatische Hornisse, Vespa velutina

Asian predatory wasp

Ein weiterer, fliegender Feind für die Westliche Honigbiene ist die ursprünglich aus Asien stammende Hornissenart Vespa velutina. Man erkennt die hauptsächlich schwarze Hornisse an ihrem breiten orangen Streifen auf dem Hinterleib und dem feinen gelben Band auf dem ersten Segment. Experten befürchten eine nachhaltige Störung des ökologischen Gleichgewichts, wenn sich das etwa zwei Zentimeter große Insekt weiter vermehrt.

Zwar sind die Hornissen nicht aggressiver als ihre europäischen Verwandten – und für Menschen kaum gefährlich, aber Honig- und Wildbienen können unter ihr leiden. Weil die Hornissen ihre neuen Kolonien meist nah beieinander bauen, ist die Konzentration der Nester pro Fläche sehr hoch – und der Druck auf potenzielle Beuteinsekten steigt. Und Honigbienen stehen bereits auf dem Speiseplan der Hornisse.

Vespa velutinaCopyright: Karine Monceau

In Europa wurde die Hornisse erstmalig 2004 festgestellt, an der Atlantikküste Frankreichs. Von dort hat sie das europäische Festland erobert. Sie wurde 2010 in Spanien, ein Jahr später in Portugal und 2014 erstmalig auch in Süd-West-Deutschland gesichtet.

In ihrer Heimat haben die asiatischen Honigbienenvölker eine Taktik entwickelt, um den Feind im Stock auszumerzen: In großer Zahl nähern sie sich der Hornisse, bilden einen regelrechten Ball um sie herum – und heizen die unmittelbare Umgebung des Feindes auf fast 50 °C auf. Die Bienen können die hohen Temperaturen kurzfristig aushalten, aber die Hornisse geht zugrunde. Da die Westlichen Honigbienen erst seit sehr kurzer Zeit von der Vespa velutina bedroht werden, haben sie solche Abwehrmechanismen noch nicht entwickeln können. Derzeit wird die Lebensweise der Asiatischen Hornisse genauer untersucht. Dabei werden auch Maßnahmen geprüft, um ihre weitere Ausbreitung einzudämmen.

Bis dahin können die Imker ihre Bienen vor allem dann schützen, wenn diese im Stock Zuflucht suchen: Sie bringen ein Gitter vor dem Einflugloch an, durch das die größeren Hornissen nicht hindurchschlüpfen können.

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