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Wildbiene des Jahres 2017

Bedrohte Arten benötigen mehr Lebensraum zur Nahrungsuche

10. Mrz 2017
Die Knautien-Sandbiene ist unverwechselbar mit ihrem roten Leib und den purpurfarbenen Pollenleggings. Auf dem Bild zu sehen ist der Flyer des Wildbienenkatasters (www.wildbienen-kataster.de)

Seit 2013 hat das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ jedes Jahr aus den 134 Bienenarten Deutschlands, die für die Aufzucht ihrer Nachkommen spezielle Pflanzenarten benötigen, eine besonders interessante Wildbienenart ausgewählt. Diese Nominierung soll die Wildbienenart der allgemeinen Öffentlichkeit näher bringen und darüber informieren, dass sie bedroht und schutzbedürftig sind. Außerdem will das Kuratorium Menschen einladen in die Natur zu gehen, und die Bienen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.

In diesem Jahr wurde die Knautien-Sandbiene ausgewählt. Ihren Namen erhielt die Biene, weil sie sich fast ausschließlich von Pollen der Knautien (Wiesen­witwenblumen) ernährt. Knautienarten findet man vor allem auf wildblütenreichem Grünlandflächen, die in großen Teilen Europas auf dem Rückzug sind. Dort graben sie in lockerem Erdreich kleine Höhlengänge, in denen sie Nester für ihre Nachkommen bauen.

Man erkennt die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana) auf den ersten Blick, vor allem während der Flugzeit von Mai bis August. Man sieht sie meist schon von weitem, denn sie ist deutlich größer als die Honigbiene. Außerdem besitzt sie ein markantes Unterscheidungs­merkmal: rote Hinterbeine. Es handelt sich dabei um purpurne Pollen, die an den Härchen der Biene hängenbleiben, wenn sie in den Blüten der Wiesenwitwenblume Nahrung sucht.

Ihre fast ausschließliche Abhängigkeit von der Wiesen­witwenblume hat sie allerdings zu einer bedrohten Art werden lassen. In den letzten Jahrzehnten sind immer mehr Wildwiesen in Ackerland verwandelt wurden, und die noch verbliebenen Flächen wurden so häufig gemäht, dass die Wiesen­knautien oftmals verschwunden sind – und mit ihr die Knautien-Sandbiene, die heute in Deutschland auf der Roten Liste bedrohter Wildbienen steht.

Der Verlust bzw. die Fragmentierung von Wildwiesen, stellt heute ein gravierendes Problem für die Wildbienen dar. Aufgrund der fehlenden Nahrungs­quellen und Nistplätze ist das Überleben dieser Bestäuber in vielen europäischen Ländern bedroht. Dies wird nicht zuletzt an der Lage der Knautien-Sandbiene deutlich.

Was kann man tun, um ihr zu helfen? Um die Knautien-Sandbiene dabei zu unterstützen, während ihrer Flugzeiten Nahrung zu finden, ist es erforderlich, existierende Wildwiesen länger blühen zu lassen und nur ein oder zweimal im Jahr zu mähen. Gezieltes Aussäen von Knautien im Garten oder als Teil von Saatmischungen in Blühstreifen trägt ebenfalls dazu bei, mehr Trachtflächen für Wildbienenarten wie die „Wildbiene des Jahres 2017“ zu schaffen.

Die Rote Lady

Die Knautien-Sandbiene ist eine beeindruckende Erscheinung: Mit 13 bis 15 mm Länge ist sie größer als die meisten Bienenspezies und der Leib der meisten Weibchen ist rot. Zusammen mit den roten Leggings vom Pollen der Wiesen­witwenblume ist sie ein Bild von einer Biene. Kein Wunder, dass ihr Foto immer wieder in Büchern über Bienen auftaucht.

Die Biene wird von einer anderen Wildbiene, Nomada armata parasitiert. Die „bewaffnete Nomadenbiene“ geht ähnlich vor wie der Kuckuck: Sie schmuggelt ihr eigenes Ei in das Nest der Sandbiene. Die Nomadenlarve tötet das Sandbienenei und ernährt sich von den Vorräten, die die Sandbiene für ihre Nachkommen angelegt hat.

Weitere Informationen

Über die Wahl der Roten Lady zur Wildbiene des Jahres ist in der Presse und im Netz intensiv berichtet worden, unter anderem im Bienenjournal, unter bienenschutz-stuttgart.de, und vom Bayerischen Rundfunk.

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