Willkommen bei Bayer bee care

Neue Erkenntnisse ziehen Neonikotinoid-Entscheidung der EU in Zweifel

23. Jan 2015
Biene auf Rapsblüte

Als die EU-Kommission 2013 eine Beschränkung des Einsatzes dreier Neonikotinoide verfügte, stützte sie ihre Entscheidung in hohem Maße auf einige wenige labor-basierte Studien, die potentiell subletale Effekte auf Honigbienen und Hummeln zeigten. Diese Studien wurden jetzt in wirkmächtigen Zeitschriften veröffentlicht.

Norman Carreck, Bienenforscher an der Universität Sussex, hat kürzlich eine Überprüfung dieser Primärstudien vorgelegt. Dem Wissenschaftler war daran gelegen festzustellen, ob die Laborergebnisse auch auf Feldbedingungen übertragbar sind. Zusammenfassend stellt er fest:
„Wir überprüfen hier drei wichtige Dosierungsfaktoren (Konzentration, Kontaktdauer, Wahlmöglichkeiten), die bei Feldbedingungen relevant sind und kommen zu dem Schluss, dass diese vermutlich in vielen laborbasierten Studien überschätzt werden.“

Hinsichtlich der Konzentration zeigt Carreck auf, dass einige Studien kaum als realistisch im Sinne normaler Feldbedingungen anzusehen sind, vielmehr ähnelten sie „eher einem Worst-Case-Szenario“. Die Analyse der Kontaktdauer zeige, dass einige Studien die Bienen mit Einzeldosen behandelt hätten, die in ihrer Höhe einem weit längeren Kontakt im Feld entsprächen. Carreck verdeutlicht den Unterschied anhand der recht unterschiedlichen Auswirkungen einer Flasche Whisky auf den Menschen – „je nachdem ob er die Menge in einer Stunde, einem Tag oder über einen längeren Zeitraum konsumiert.“

Als dritten Dosierungsfaktor untersuchte Carreck die Wahlmöglichkeiten der Bienen. Im Feld haben sie in der Regel die Auswahl zwischen mehreren Nahrungsquellen. Im Labor werde häufig angenommen, dass ein komplettes Bienenvolk die Nahrung in einer einzigen behandelten Kultur sucht. „Dies ist aber nicht der Fall“, sagt Carreck und verweist auf englische Studien, wonach Wildblumen die wichtigste Nahrungsquelle für ländliche Bienenvölker darstellen.

Carreck warnt schließlich, dass ein unnötiges Moratorium den Bienen nicht helfe, sondern im Gegenteil die Dinge nur noch schlimmer mache: Die Landwirte würden als Konsequenz zu älteren Pflanzenschutztechnologien greifen, die aber häufigere Spritzdurchgänge erfordern, Wildtieren mehr schaden und seinerzeit nicht die strengen Zulassungsverfahren durchlaufen haben, die es heute gibt.

Sein Fazit lautet schließlich: „Es liegt auf der Hand, das Insektizide Insekten töten. Ebenso dürfte es kaum überraschen, dass subletale Dosierungen ein Bienenvolk schwächen oder die Orientierung einzelner Bienen beeinträchtigen können. Aber, wie schon Paracelsus bemerkte: die Dosis macht das Gift.“

Die Studie wurde im „Journal of Apicultural Research" veröffentlicht.

Back To Top