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Neonikotinoide und Bienen: eine ausgewogene Debatte

Interessenvertreter diskutieren neueste Ergebnisse auf der SCI Konferenz

14. Okt 2016
Neonikotinoide und Bienen: eine ausgewogene Debatte

Neonikotinoide und Bienen: eine ausgewogene Debatte

'Töten Neonikotinoide Bienen?' So lautete der provokante Titel einer Konferenz, die kürzlich in London stattfand. Das Treffen wurde organisiert durch die AgriSciences-Gruppe der SCI. Experten aus europäischen Ländern aus Forschung und Lehre, Pflanzenschutz­industrie, Landwirtschafts­verbänden sowie Regierungs­behörden trafen sich, um eine ausgewogene und konstruktive Debatte über dieses kontroverse Thema zu führen. Für die Teilnehmer ist die Gesundheit von Bestäubern besonders wichtig, da Bienen und andere Insekten zahlreiche Kulturpflanzen bestäuben und so einen wichtigen Beitrag zu nachhaltiger Landwirtschaft leisten.

Die Gesundheit von Bienen rückte in den letzten Jahren verstärkt ins öffentliche Interesse und wurde vielfach von den Medien aufgegriffen. Leider konzentrierte sich diese Berichterstattung oft nur auf einzelne Studien, über die angeblich schädlichen Auswirkungen von Pestiziden – vor allem von Neonikotinoiden. Oft erhielt das Thema zusätzliche Aufmerksamkeit durch reißerische Schlagzeilen und irreführende Aufmachung. Kaum beachtet wurden wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Studien, die unter Feldbedingungen stattfanden und keine negativen Effekte zeigten.

Die Gesundheit von Bienen ist ein komplexes Thema und unterliegt dem Einfluss vieler Faktoren. Die parasitische Varroa-Milbe und damit verbundene Viruserkrankungen bei Honigbienen sind in Europa und Nordamerika als häufige und weit verbreitete Bedrohung bekannt. Für wildlebende Bestäuber ist der Verlust von geeigneten Lebensräumen ein entscheidender Faktor. Trotz dieser Tatsachen stehen vor allem Pestizide im Mittelpunkt vieler Diskussionen. Zunehmender öffentlicher Druck führte 2013 dazu, dass die Europäische Kommission die Anwendungen einiger Neonikotinoide einschränkte, nachdem die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vermeintliche Risiken und angebliche Datenlücken beim Einsatz der Produkte in bienenattraktiven Kulturen, aufzeigte.

Die AgriSciences-Konferenz sollte die Teilnehmer unter anderem dazu anregen, die Daten kritisch zu überprüfen, die diesen Beschränkungen zugrunde liegen. Dabei sollten neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Sicherheit von Neonikotinoiden einfließen, die Auswirkung alternativer Methoden zur Schädlingsbekämpfung analysiert sowie zukünftige Möglichkeiten bedacht werden. Umfassende wissenschaftliche Informationen sollten den Teilnehmern  die Meinungsbildung erleichtern.

Die Vertreter der Pflanzenschutzindustrie betonten die umfangreichen Maßnahmen zur Absicherung der Bienensicherheit ihrer Produkte durch ausführliche Tests und Risikoabschätzungen sowie durch weitere technische Maßnahmen, um jeglichem Risiko vorzubeugen, das Bienen durch Pestizide entstehen könnte. Pflanzenschutzmittel müssen umfassende ökotoxikologische Prüfungen bestehen, bevor sie zugelassen werden können, einschließlich zahlreicher eingehender Bienenprüfungen. Insbesondere Neonikotinoide haben sehr gründliche und intensive Tests durchlaufen – von einfachen Laboruntersuchungen bis zu Feldstudien, von denen sich einige über mehrere Jahre erstrecken und unter realistischen Bedingungen abliefen.

"Aus vielen Freilanduntersuchungen verschiedener Forschergruppen ist bekannt, dass Kulturpflanzen, deren Saatgut mit Neonikotinoiden behandelt wurde, unter realistischen Bedingungen nicht schädlich für die Gesundheit von Honigbienenvölkern sind", sagte Dr. Christian Maus, Pollinator Safety Manager im Bayer Bee Care Center in Deutschland. Während seines Vortrags erklärte er die Komplexität von Feldstudien und präsentierte die aktuellen Ergebnisse einer der weltweit größten Feldstudien im Raps, die kürzlich in Norddeutschland durchgeführt wurde. Die Studie zeige, dass die Saatgutbehandlung von Raps mit Neonikotinoiden Honigbienen, Erdhummeln und einer solitär lebenden Wildbienenart nicht schadet. "Wir erhielten sehr positive Rückmeldungen zu unserer Studie", sagte Dr. Maus. "Wir diskutierten auch viele andere kritische Studien und interpretierten Daten, die bisher oft nur bestimmten Blickwinkeln betrachtet wurden."

Die Vielzahl an Daten zu Neonikotinoiden und Bienen ist überwältigend, wobei wissenschaftliche Veröffentlichungen derzeit beinahe im Wochenrhythmus erscheinen und vor allem mögliche Schadeffekte hervorheben. Die meisten Studien beruhen auf Labordaten oder anderen künstlichen Expositions-Szenarien, die nicht den realistischen Feldbedingungen entsprechen. Das Problem einiger anderer Studien besteht darin, dass sie auf beobachteten Korrelationen basieren – der Nachweis eines kausalen Zusammenhangs fehlt jedoch. Die Konferenzteilnehmer erläuterten dies am Beispiel einer Grafik, die das Auftreten von Autismus und den Absatz von Bionahrung über einen bestimmten Zeitraum zeigt: Beide Kurven stiegen innerhalb derselben Zeitspanne gleichsinnig an. Aber heißt das, dass ein Ereignis tatsächlich das andere beeinflusst hat? Inwieweit kann der Nachweis von Korrelationen überhaupt eine Wirkungsbeziehung belegen? Politisch gesehen können Korrelationen zumindest eine starke Auswirkung auf den Verlauf der öffentlichen Diskussion haben, so die Lektion aus der Diskussion um Neonikotinoide.

Neben dem aktuellen Kenntnisstand wurden auf der Konferenz weitere Bereiche aufgezeigt, in denen weiterführende Forschungen hilfreich sein könnten, wie unter anderem: Auswirkungen verschiedener Einflussfaktoren auf andere Bienenarten als die Honigbiene, mögliche Mechanismen von beobachteten subletalen Effekten und darüber hinaus ein vergleichender Ansatz, der die angeblichen ökologischen Auswirkungen von Neonikotinoiden mit denen anderer, alternativ genutzter Produkte abwägt.

Die Konferenzteilnehmer konnten sich einen eigenen Eindruck davon verschaffen, wie sorgsam die Pflanzenschutzindustrie daran arbeitet, Risiken zu unterbinden, die Pestizide wie Neonikotinoide mit sich bringen können. Besondere Beachtung fand, wie Bayer und andere Hersteller von Pflanzenschutzmitteln intensiv mit der Saatgutindustrie zusammenarbeiten, um das Risiko zu vermindern, dass Bestäuber Pestiziden ausgesetzt werden. Die Emission von Stäuben während der Ausbringung von Pestizid-gebeiztem Saatgut kann beispielsweise Bienenschäden verursachen. Das Ergebnis dieser Bemühungen waren mehrere effektive technische Neuerungen zur Emissionsvermeidung, darunter die Entwicklung neuer Technologienwie etwa SweepAir und Deflektoren sowie höhere Qualitätsstandards bei der Saatgutbehandlung und Verbesserungen in der Saatgutbeschichtung.

Eine wichtige Erkenntnis der Konferenz war, dass die vorliegenden Daten zeigen, dass es keine systematischen Belege für eine räumliche oder zeitliche Korrelation zwischen dem Einsatz von Neonikotinoiden und erhöhter Sterblichkeit bei Honigbienenvölkern gibt. Die Vortragenden Norman Carreck von der Universität Sussex; UK, und Peter Campbell von Syngenta, UK, wiesen beide auf die Daten von Defra/MAFF-zu Pestizid-Vergiftungen bei Honigbienen in Großbritannien hin, bei denen in den letzten 10 Jahren kein einziger Vorfall auf eine ordnungsgemäße Anwendung von  Neonikotinoiden zurückgeführt werden konnte, obwohl deren Einsatz zur Saatgutbehandlung in diesem Zeitraum deutlich zunahm, zeitgleich mit einer Erhöhung der Raps-Anbaufläche auf fast das Doppelte.

Wie wichtig die Saatgutbehandlung mit Neonikotinoiden für den Pflanzenschutz ist, wird erst jetzt deutlich, da die Wirkstoffe nicht mehr frei verfügbar sind. Britische Landwirte berichten von Schwierigkeiten, Blattläuse und Rapserdflöhe auf Rapsfeldern zu bekämpfen, was zu vermehrter Insektizidanwendung mit vorwiegend älteren Produkten führt.

Coralie van Breukelen-Groeneveld, Leiterin des Bayer Bee Care Centers, fasste ihre Eindrücke zur Konferenz zusammen: "Es ist lange her, dass eine ähnliche Veranstaltung in Europa stattgefunden hat, bei der sich so viele verschiedene Interessenvertreter trafen, sachbezogen diskutierten und die neuesten Entwicklungen zur Bienengesundheit austauschten, mit verschiedenen Blickwinkeln und auf konstruktive Art und Weise. Was mich wirklich erstaunt hat, war all die Arbeit, die der Bienensicherheit der Neonikotinoide gewidmet war. Ebenso wie Peter Campbell kann ich nicht umhin, mich zu fragen, was wir hätten erreichen können, wenn all die Mittel, die für die Untersuchung von Pestiziden ausgegeben wurde, stattdessen investiert worden wäre, um eine Lösung für die eigentlichen Probleme in der Bienengesundheit zu finden."

Das Bee Care-Programm von Bayer geht weit über Sicherheitstests für Pestizide und integrierte Bienenhaltung hinaus. Gemeinsam mit vielen Partnern tragen wir zur Bienengesundheit und Bestäuberforschung bei.

Für mehr Informationen zu Neonikotinoiden können Sie unser neuestes BEEINFOrmed Fact Sheet herunterladen  "Bienensicherheit von Neonikotinoiden Insektiziden".
Detaillierte Informationen zu unserer Studie in Nordost-Deutschland finden Sie in unserm BEENOW-Artikel "Raps: Eine sichere Nahrungsquelle?".
Darüber hinaus wurden die Ergebnisse der obenstehenden Studie kürzlich in einer Artikelreihe im Ecotoxicology Journal öffentlich gemacht.
Ein weiterer Beitrag zu diesem Thema ist in Forbes erschienen. Henry Miller nennt dort “Six Reasons Not To Worry about the Bees”.

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