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Gravierende Mängel in aktueller US-Studie über Neonikotinoide

Wissenschaftlicher Wert der Forschungsergebnisse begrenzt

22. Mai 2014
Gravierende Mängel in aktueller US-Studie über Neonikotinoide

Gravierende Mängel in aktueller US-Studie über Neonikotinoide

In ihrer jüngsten Studie vertreten die Harvard-Forscher Chensheng Lu et al. die These, dass chronische Neonikotinoid-Einwirkung bei Honigbienen zum Bienenvolk-Kollaps (Colony Collapse Disorder, CCD) führe.

Bienenvolk-Kollaps ist kein allgemein global verbreitetes Problem, sondern ein spezifisch US-amerikanisches Phänomen. In Europa beispielsweise sind Kolonieverluste mit den typischen Symptomen des Bienenvolk-Kollapses die Ausnahme. Und selbst in den USA ist die große Mehrheit der Kolonieverluste nicht auf dieses Phänomen zurückzuführen, so dass viele professionelle Imker CCD nicht aus persönlicher Anschauung kennen.

Dr. Julian Little, Sprecher des Bayer Bee Care Centers, bezeichnete den wissenschaftlichen Wert der vorliegenden Studie als begrenzt: „Die Dosierung ist weit entfernt von jeglicher Realität im Feld. Die Forscher haben den Bienen Dosierungen gefüttert, die 10, möglicherweise eher 100 Mal so hoch waren, wie man sie normalerweise im Feld vorfindet.“

Hinzu kommt, dass nicht nur die Höhe der Dosierung außergewöhnlich war, sondern auch die Dauer der Verabreichung: 13 Wochen ohne Unterbrechung – das ist weit länger als der ein bis dreiwöchige Kontakt im Anschluss an einen landwirtschaftlichen Einsatz, ergänzt Julian Little. „Außerdem ist der Versuch, die Studienergebnisse mit CCD in Verbindung zu bringen, schlichtweg grotesk, da die Symptome, die die Studie beschreibt, keinerlei Ähnlichkeit mit CCD-Symptomen haben wie sie in den USA beobachtet wurden.“

Erste Medienreaktionen teilen die Einschätzung von Bayer CropScience. Unter dem Titel Bad Science Doesn’t Help Bees (Schlechte Wissenschaft ist für Bienen keine Hilfe), erklärt Lisa Beyer auf BloombergView dass Dr. Lus Forschungen von den wahren Ursachen des Bienensterbens ablenken. Außerdem seien bei seinen Versuchen Dosierungen verwendet worden, die weit höher liegen, als die Einwirkung im Feld. Lus Studie sei weitgehend unkritisch von den Medien aufgegriffen worden, so Beyer weiter, und habe so den Ruf von US-Aktivisten nach einem Verbot der CNIs befeuert. Ein solches Verbot sei aber ein Fehler: „Es würde US-Landwirte dazu verdammen, ältere Pflanzenschutzmittel einzusetzen, die nicht auf ihre Bienenverträglichkeit getestet wurden und eine größere Gefahr für bewirtschaftete Bienenkolonien darstellen - von der Gefahr für Mensch und Natur ganz zu schweigen.“

In ihrer Online-Ausgabe zitiert die New York Times den Insektenkundler Dr. Dennis van Engelsdorp von der Universität Maryland mit der Aussage, dass Dr. Lu und seine Kollegen mit ihren unnatürlich hohen Dosierungen langen Zeiträumen nur demonstriert hätten dass „hohe Dosierungen von ‚Neonics‘ Bienen töten – und das ist keine Überraschung.“  

Leider hat Dr. Lu also in seiner jüngsten Studie die fundamentalen Fehler wiederholt, die bereits seine vorangegangene Forschungsarbeit gekennzeichnet hatten, so dass auch diese Studie keine aussagekräftigen neuen Informationen hinsichtlich der Risikobewertung für die Honigbiene liefert.

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