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Bitte nicht stören. Wir überwintern!

Bienen durch den Winter begleiten: Interview mit Peter Trodtfeld, Bayer Bee Care Center

20. Okt 2014
Bitte nicht stören. Wir überwintern!

Bitte nicht stören. Wir überwintern!

Herr Trodtfeld, was ist jetzt im Oktober der Stand der Dinge in den Bienenhäusern der nördlichen Hemisphäre?
Die langlebigeren Winterbienen einer Honigbienenkolonie sind jetzt voll entwickelt. Es ist enorm wichtig, dass sie gesund sind, denn sie müssen sechs Monate lang überleben und die Königin während der dunklen und kalten Wintertage wärmen und verpflegen. Deshalb ist zu hoffen, dass alle Imker nach der letzten Honigernte im August einen Gesundheitscheck vorgenommen und ihre Völker bei Bedarf gegen die Varroa-Milbe behandelt haben.

Wie verfährt man mit schwachen Honigbienenkolonien?
Schwache Honigbienenkolonien habe eine geringere Chance, den Winter zu überleben. Deshalb sollten sie aufgelöst und einem starken Volk zugeschlagen werden. Oder man verbindet zwei schwache zu einem starken Honigbienenvolk. Das muss allerdings bereits im Spätsommer oder Frühherbst geschehen, um starke Winterbienenkolonien zu haben, noch bevor die Winterperiode einsetzt.

Was muss der Imker denn jetzt tun?
Im Oktober sollte man die Honigräume reinigen und ein Mäusegitter vor dem Eingang des Bienenstocks befestigen. Denn wenn im November der Nachtfrost beginnt, suchen die Mäuse nach Winterquartieren. Und ein Bienenstock bietet ihnen eine gemütliche Unterkunft, wenn die Bienen ihre Wintertraube gebildet haben und sich nicht mehr verteidigen können.

Gibt es jetzt noch Handlungsbedarf in punkto Winterfütterung?
Vom Spätsommer bis in den Herbst geben die Imker ihren Honigbienen insgesamt 16-18 kg Winterfutter, damit sie durch den Winter kommen. Aber wenn der Spätherbst mild ist, und die Bienen noch bis spät ins Jahr ausschwärmen, brauchen sie mehr. Imker müssen das jetzt im Hinterkopf behalten und falls nötig die Futterreserven auffüllen.

Wann nehmen Sie die letzte Milbenbehandlung des Jahres vor?
Nach dem ersten strengen Forst hört die Königin auf Eier zu legen. Damit ist die Kolonie 21 Tage später brutfrei. Das geschieht meistens irgendwann zwischen Mitte Noember und Mitte Dezember. Dann kann man zum letzten Mal gegen hartnäckige Varroa-Milben vorgehen. Ich gebe den Wirkstoff in Zuckerwasser und träufele die Lösung in die Wabengassen. Das kann ein chemischer Wirkstoff sein, oder die biologisch wirkende Oxalsäure.
Wenn die Bienen dann im Dezember nicht mehr ausschwärmen, kann man den Bienenstock an den Standort für das nächste Frühjahr umstellen. Sobald die Temperaturen wieder steigen und sie auf Nahrungssuche gehen, werden sie den neuen Standort bereitwillig akzeptieren.

Wie schütze ich die Bienenhäuser gegen Schnee und Eis?
Mit einem Blechdach gegen Regen und Hagel und mit einem Stein auf dem Dach, damit es nicht wegweht. Das ist schon alles. Die Bienen brauchen keine Schutzdecke oder Isolierung gegen das Wetter. Wichtig ist allerdings, für ausreichende Belüftung der Häuser zu sorgen. Ein Gitterboden erfüllt diesen Zweck und verhindert die Schimmelbildung im Bienenstock.

Gibt es etwas, das der Imker NICHT tun sollte?
In der Winterperiode, wenn die Temperaturen unter 10°C (50 F) sinken, lautet die Bienenbotschaft: Bitte nicht unnötig stören. Wir überwintern!“ Lassen Sie die Bienenhäuser während des gesamten Winters geschlossen, auch wenn Sie noch so gerne nachsehen möchten, wie es den  Bienen geht und ob Ihre Varroa-Milben-Behandlung erfolgreich war. Von außen können Sie den Verzehr der Winternahrung verfolgen, indem sie das Gesamtgewicht der Kolonie überprüfen, und Sie können die Anzahl toter Varroa-Milben am Boden des Bienenstocks überwachen. Der einzige Anlass, zwischendurch den Stock zu öffnen, sollte die letzte Winterbehandlung gegen die Varroa-Milbe sein. Und wenn Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben, können Sie sich danach entspannt zurücklehnen und in aller Ruhe bis zum Frühling warten.

Woher weiß ich, wann der Zeitpunkt gekommen ist, einen ersten Blick in den Bienenstock werfen zu dürfen?
Sie werden von Ihren Honigbienen erfahren, wenn die nächste Bienensaison beginnt. Denn wenn die Temperaturen über 10°C (50 F) steigen und sich draußen die ersten Blüten öffnen, schwärmen sie aus und fangen an, Pollen für die Ernährung der Bienenbrut zu sammeln.

Peter Trodtfeld, Experte für Bienengesundheit am Bayer Bee Care Center

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