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Infektionen: Eine unsichtbare Bedrohung

Gemeinsame Forschung zu Bienengesundheit in Spanien

Imkerei bildet in Spanien einen wichtigen wirtschaftlichen Zweig. Doch viele Honig­bienen­völker sind durch das starke Auftreten von Bienen­schädlingen und Krankheits­erregern wie Nosema-Arten geschwächt. Behandlungsmittel gegen solche Schad­erreger sind kaum verfügbar. Bienen­experten vermuten eine weitere wachsende Bedrohung für die Gesundheit der Honigbienen: In einigen Regionen Spaniens sind die parasitären Varroa-Milben resistent gegen die Behandlungs­mittel geworden, die aktuell erhältlich sind. Durch die Zusammenarbeit mit spanischen Bienenforschern unterstützt Bayer die Gesundheit von Bienen­völkern im Land.


Gemeinsame Forschung zu Bienengesundheit in Spanien

Auf einen Blick

// Imkerei und Honigerzeugung bilden einen wichtigen wirtschaftlichen Zweig in Spanien.

// Doch Parasiten und Infektionskrankheiten breiten sich zunehmend aus und beeinträchtigen die Gesundheit der Honigbienen.

// Das könnte für die spanischen Imker zu ökonomischen Verlusten führen, sofern keine neuen Strategien zur Bewältigung dieser Herausforderungen entwickelt werden.

// Bayer-Experten wollen gemeinsam mit Bienenforschern in Spanien zur Verbesserung der Gesundheit von Honigbienen beitragen, indem sie die Forschung unterstützen und so die Bedrohungen besser verstehen.


Dr Joel González-Cabrera

Dr. Joel González-Cabrera
Molekularbiologe an der Universität Valencia, Spanien

Spanien ist der größte Honighersteller in Europa: Rund 33.000 Tonnen, die sowohl für den lokalen Markt als auch zum Export bestimmt sind, ernten die Imker dort jedes Jahr. Entsprechend genießt die Imkerei einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert in dem südeuropäischen Land. Aber die Nachhaltigkeit der Imkerei ist in Gefahr, denn die Bienen, die diesen Honig produzieren, sind bedroht: „Nahezu alle Honigbienenvölker in Spanien sind in unterschiedlichem Ausmaß von Parasiten befallen“, sagt Dr. Joel González-Cabrera, Molekularbiologe an der Universität Valencia. „Die schlechte Gesundheit ihrer Honigbienen beunruhigt die Imker enorm, denn ihnen fehlen effektive Strategien, um sie vor Schädlingen wie der Varroa-Milbe zu schützen“, so Dr. González-Cabrera. Die Bedrohung, die er und andere Bienenexperten beobachten, besteht darin, dass diese Parasiten Viren übertragen, die Honigbienen schwächen – und sogar tödlich sein können.

Unterstützung erhalten die spanischen Imker von renommierten Forschern, die die Gesundheit von Honigbienen studieren – darunter Dr. Mariano Higes. Er leitet das Laboratorium für Bienenpathologie im Centro Apícola de Castilla-La Mancha und erforscht, was Bienen krank macht: „Viele Imker wissen überhaupt nicht, was ihren Bienen fehlt. Denn ohne geschulten Blick sind viele Krankheiten kaum erkennbar.“ Um diese Problematik anzugehen, sucht das öffentliche Forschungszentrum nach der richtigen Diagnose für das geschwächte Bienenvolk: „Imker aus der Region können Bienenproben einschicken und wir untersuchen, ob und womit sie infiziert sind“, so Dr. Higes.

 
Dr Mariano Higes

Dr. Mariano Higes
Leiter des Laboratoriums für Bienenpathologie im Centro Apícola de Castilla-La Mancha in Spanien

Doch auch für die Bienenexperten ist die richtige Diagnose nicht immer leicht. So hatten sie in den vergangenen Jahren immer wieder Schwierigkeiten, die Ursachen für erhöhte Honigbienenverluste zu klären, die in einigen Regionen Spaniens beobachtet wurden. Anfangs zählten zu den Faktoren, die als gesundheitsschädlich für Honigbienen erachtet wurden, auch landwirtschaftliche Praktiken und die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Insbesondere bestand die Vermutung, dass neonikotinoide Insektizide, die in Sonnenblumenfeldern eingesetzt wurden, eine ursächliche Wirkung haben. Dafür gab es aber keine eindeutige Bestätigung, weshalb Dr. Higes sich bei seiner Forschung dann genauer mit Honigbienenverlusten befasst hat. „Ich habe herausgefunden, dass die erhöhten Sterberaten bei Honigbienenvölkern nicht in den Anbauregionen von Sonnenblumen auftraten“, fasst er die Ergebnisse seiner früheren Untersuchung zusammen. Trotz anhaltender Debatte hält er Neonikotinoide für die Gesundheit der Honigbienen in Spanien für nicht relevant.

Der Forscher beschäftigte sich daraufhin zunehmend mit Infektionskrankheiten, denen man den größten Einfluss auf die Gesundheit der Honigbienen zuschreibt. Um Imkern nicht nur mit Laboranalysen zu helfen, die richtige Diagnose zu stellen, sondern ihnen auch konkrete Lösungen anzubieten, arbeitet Dr. Higes eng mit Bayer als Industriepartner zusammen. „Unsere Kooperation ist enorm wichtig, denn Bayer kann auf Basis unserer Forschung möglicherweise Lösungen entwickeln, mit denen wir Parasiten künftig besser kontrollieren und Krankheiten behandeln können“, beschreibt Dr. Higes die gemeinsamen Projekte.

 

Zahlen & Fakten

Infektionen haben sich verdoppelt und Verlustraten nehmen zu:

Zwischen 2006 und 2015 hat sich die Infektionsrate der Honigbienenvölker in Spanien mit Nosema ceranae mehr als verdoppelt, von 40 % auf 85 %. In diesem Zeitraum ist etwa die Hälfte der Honigbienenvölker in Spanien eingegangen – teilweise bedingt durch Nosema-Arten.

Quelle: Centro Apícola, Dr. Mariano Higes

 
 
Bee doctor using a microscope,

Bienenarzt: Mit dem Mikroskop kann Dr. Higes feststellen, ob eine Biene erkrankt ist. Hier untersucht er das Microsporidium Nosema ceranae, das bei Honigbienen in Spanien verstärkt auftritt.

Nosema ist aufgrund fehlender Medikamente zur Behandlung im Mittelmeerraum meiner Meinung nach zu einem der größten Probleme für die Honigbienengesundheit herangewachsen.“

Dr. Mariano Higes

Eine Erkrankung, die Dr. Higes bei den spanischen Honigbienen immer häufiger unter dem Mikroskop diagnostiziert, ist eine schwere Darminfektion – hervorgerufen durch das Microsporidium Nosema ceranae. „Es ist bekannt, dass der Krankheitserreger das Immunsystem der Bienen schwächt, ihr Verhalten ändert und die Lebenszeit verkürzt“, erklärt der Forscher. In weniger als zehn Jahren hat sich die Zahl der infizierten Honigbienenvölker in Spanien mehr als verdoppelt. Die Pilzerkrankung wurde lange Zeit unterschätzt.
Der Grund: Eine nah verwandte Nosema-Art, Nosema apis, galt in der Vergangenheit als einziger Auslöser der Krankheit und existierte in Europa schon seit langer Zeit, ohne allzu schädlich für die Gesundheit der Honigbienen zu sein. „Wirt und Parasit scheinen sich sogar aneinander angepasst zu haben“, sagt Dr. Klemens Krieger, Bienengesundheitsexperte bei Bayer. Vor einigen Jahren entdeckten Forscher aber die verwandte Pilzart Nosema ceranae, die aus Asien eingeschleppt wurde. „Anders als bei Nosema apis hat die Westliche Honigbiene gegen Nosema ceranae noch keine Abwehrmechanismen entwickelt“, so Dr. Krieger.

Die Darmkrankheit ist hochansteckend: Ein starkes Bienenvolk kann zwar eine gewisse Anzahl an kranken Bienen kompensieren, doch durch ihr Sozialverhalten verbreiten infizierte Honigbienen Nosema schnell im ganzen Stock, was sich auf das gesamte Volk auswirkt. In warmen Klimagebieten breitet sich die Krankheit besonders rasant aus. „Nosema-Arten sind daher im Mittelmeerraum zu einem fundamentalen Problem herangewachsen“, beurteilt Dr. Higes die derzeitige Situation. „In Spanien ist es meiner Meinung nach sogar mittlerweile das größte Problem für Honigbienen.“ Er geht davon aus, dass 2015 dort 85 Prozent der Honigbienenvölker mit Nosema ceranae infiziert waren. Imker in Spanien sind machtlos gegen die Pilzkrankheit; es fehlt an Behandlungsmöglichkeiten. Dr. Higes und Dr. Krieger arbeiten intensiv zusammen, um eine Antwort auf dieses Problem zu finden – in der Hoffnung, Imkern in Zukunft andere Behandlungen anbieten zu können.

 

Ansteckende Darminfektion

Ein einzelliger Erreger, mit dem bloßen Auge nicht erkennbar, verursacht Nosemose, die häufigste Tierseuche bei erwachsenen Honigbienen in Spanien. Nosema ist ein Parasit aus der Gruppe der Kleinsporentierchen. Es gibt zwei nah verwandte Nosema-Arten: Nosema apis existiert schon seit mindestens einem Jahrhundert in Europa – Nosema ceranae wurde dagegen erst in den vergangenen 20 Jahren aus Asien eingeschleppt. Honigbienen kommen über verseuchtes Futter oder Wasser mit dem Pilz in Kontakt. Im Mitteldarm der Bienen können schon wenige Nosema-Sporen eine Infektion auslösen, die die Bienen schwächt. Aufgrund des Sozialverhaltens der Honigbienen kann sich die Infektion in einem schwachen Bienenvolk schnell ausbreiten.

Fungal pathogen Nosema ceranae

Hochansteckend: Der Krankheitserreger Nosema ceranae kann sich schnell in einem Honigbienenvolk ausbreiten. Er schwächt das Immunsystem der infizierten Bienen.

Foto: Dr. Mariano Higes, Centro Apícola de Castilla-La Mancha, Spanien

 

 

Dr Klemens Krieger

Dr. Klemens Krieger
Bienengesundheitsexperte bei Bayer

Die Experten arbeiten zur Kontrolle von Varroa destructor auch mit den tiermedizinischen Fakultäten an der Universidad Complutense de Madrid zusammen, wo die Leiterin der Forschungsgruppe Epicontrol in der Abteilung für Tiergesundheit, Professorin Aránzazu Meana Mañes, arbeitet. „Wie in anderen Bereichen der Tierzucht üblich, sind Behandlungsmittel gegen Bienenparasiten verschreibungspflichtig. Die landesweiten Maßnahmen gegen Varroa im Herbst erfordern in Spanien eine solche tierärztliche Verschreibung. Deshalb spielen Tierärzte eine wichtige Rolle für die Honigbienengesundheit in Spanien“, sagt Professorin Meana Mañes. Ziel der Zusammenarbeit mit Bayer und dem Centro Apícola: Die Expertise von Veterinären bei der Suche nach entsprechenden Behandlungen und Medikamenten einbinden.

Dr. González-Cabrera, ebenfalls Teil des Forschungsnetzwerks, engagiert sich bei dem Versuch, Maßnahmen gegen Varroa destructor zu entwickeln. Zur Bekämpfung der Milben und Prävention gegen die von ihnen ausgelöste Krankheit Varroose gibt es einige wenige Behandlungsmittel wie Ameisensäure und synthetisch hergestellte Akarizide. Imker aus verschiedenen Regionen in Spanien berichten aber, dass ein Teil dieser Produkte nicht mehr zu wirken scheint. Dr. González-Cabrera ergänzt: „Einige Milben reagieren nicht mehr auf die verfügbaren Varroa-Behandlungsmittel – sie sind möglicherweise resistent.“ Viele Bienenexperten in Europa und Nordamerika betrachten die Milbe Varroa destructor als größte Bedrohung für die Gesundheit der Westlichen Honigbiene.

 

Meistgesucht

Spaniens Behörden haben eine Liste von Bienenschädlingen und Krankheitserregern erstellt, für die neue Behandlungsmöglichkeiten erforderlich sind. Am dringendsten werden Wirkstoffe benötigt, die die Honigbienen schützen vor:

  1. Varroa destructor
  2. Europäischer & Ameri­kanischer Faulbrut
  1. Nosema-Arten
  2. Wachsmotten
 

Zahlen & Fakten

65 % der Bienenvölker in Europa befinden sich im Mittelmeerraum. Leider begünstigt das warme Klima der Region auch die Ausbreitung von Nosema-Arten.


Quelle: Centro Apícola, Dr. Mariano Higes

 

 

Dr. González-Cabrera arbeitete erstmals mit Bayer, als er sich an einer dreijährigen Studie in England beteiligte, die sich mit der Resistenz von Varroa gegen einige synthetische Insektizide – sogenannte Pyrethroide befasste. Dann kam er im September 2015 ins spanische Valencia, um in einer großen Studie das besorgniserregende Phänomen resistenter Milben genauer zu analysieren. Er erklärt: „Wir müssen hier in Spanien ebenfalls genau untersuchen, ob sich Resistenzen entwickelt haben und ein entsprechendes Monitoring einrichten.“

 

Zudem will Dr. González-Cabrera in einer unabhängigen Studie Vorsorgemaßnahmen entwickeln, um die Wirksamkeit zugelassener Akarizide zur Varroa-Kontrolle zu erhalten. Konkrete Hinweise und Schulungen sollen Imker dabei unterstützen. „Sie sollten etwa bei der Varroa-Behandlung nicht in zwei aufeinanderfolgenden Jahren Wirkstoffe mit dem gleichen Wirkmechanismus verwenden, denn so selektieren sie möglicherweise Resistenzen heraus“, erklärt der Experte (siehe auch „Varroa im Visier“ BEENOW 1_2015). Durch eine Rotation der Produkte mit unterschiedlichen Wirkmechanismen sollten die Bienenhalter Resistenzen vermeiden können.

Die Liste der Faktoren, die Honigbienen schädigen können, ist recht lang: Schädlinge, Krankheiten, widrige Wetterbedingungen, ein Mangel an Nahrungsquellen sowie landwirtschaftliche und imkerliche Praktiken können Honigbienen zu schaffen machen. Doch Dr. González-Cabrera betont: „Am dringendsten benötigen wir mehr Informationen über Bienenschädlinge und -krankheiten.“ Er und seine Partner haben dazu bereits wichtige Studien eingeleitet, um Probleme wie die Resistenzentwicklung bei Varroa-Milben früher zu erkennen und den Schädling künftig effizienter zu bekämpfen. Mit vereintem Wissen wollen die Experten helfen, den wirtschaftlichen Sektor in Europas wichtiger Region für Imkerei aufrechtzuerhalten. Dr. Higes zeigt Optimismus: „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Ausbreitung von Infektionskrankheiten mit intensiver Forschung und Wissensaustausch mit anderen Interessengruppen in den Griff bekommen werden – und so die Gesundheit der Bienen in Spanien wieder verbessern.“

Trigona

Türkontrolle gegen Varroa:
Bayer arbeitet intensiv daran, Lösungen zur Kontrolle von Honigbienenparasiten zu entwickeln.

Bayer-Forscher haben einen Kunststoffstreifen entwickelt, der einen akariziden Wirkstoff enthält. Dieser Streifen wird am Einflugloch eines Bienenstocks angebracht, um einem Milbenbefall vorzubeugen. Es ist geplant, das Produkt 2017 auf den Markt zu bringen. Imker können es dann als Teil einer integrierten Varroa-Behandlung einsetzen.

 
TrigonaVarroa diagnosis box

Dr. Higes hält eine Varroa-Diagnose-Box in der Hand, darin rund 500 lebenden Bienen aus einem Bienenstock. Ein akarizider Wirkstoff tötet die auf den Bienen sitzenden Milben ab. Sie können im Anschluss auf dem Schachtelboden gezählt werden.

Varroa destructor mite

Varroa-Milben sind kaum größer als einen Millimeter, haben vier Beinpaare und stechend-saugende Mundwerkzeuge. Der Parasit orientiert sich mithilfe von zahlreichen Sinneshärchen, die über den ganzen Körper verteilt sind.

 

Fazit

Imkerei ist in Spanien aufgrund der umfangreichen Honigerzeugung ökonomisch wichtig. Doch viele Berufsimker sehen ihr Einkommen aufgrund von Schädlingen und Krankheiten, die die Gesundheit ihrer Bienenvölker schwächen, bedroht.

Mit vereintem Wissen widmen sich Bayer-Experten und spanische Bienenforscher diesen aktuellen Problemen: Sie wollen ihr Forschungsnetzwerk in den nächsten Jahren ausweiten, wichtige Daten über Bienenschädlinge in verschiedenen Ländern sammeln und neue Strategien zur Behandlung von Honigbienenkrankheiten in Spanien entwickeln.


 

Videos

Einfach erklärt: Bienengesundheit und Varroa

Wir erklären, warum die Varroa-Milbe ein großes Problem für Honigbienenvölker ist und warum es falsch ist, die Schuld für eine mangelhafte Bienengesundheit einseitig auf die moderne Landwirtschaft und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu schieben.

 

Der größte Feind der 'Westlichen Honigbiene' - Varroa destructor

Der größte Feind der Westlichen Honigbiene heißt Varroa destructor. Die Milbe bedroht die Gesundheit der Bienen massiv, denn sie überträgt gefährliche Krankheiten. Bayer-Experte Dr. Klemens Krieger kennt den Parasiten genau und weiß, welchen Einfluss der Schädling auf Honigbienenkolonien hat. Im Video erklärt er, wie Bayer Imker beim Schutz ihrer Bienen vor der Varroa-Milbe unterstützt.

 

Varroa destructor: eine bleibende Herausforderung

Eine bleibende Herausforderung für Forschung und Imkerei. Ergebnisse einer Feldstudie des Instituts für Bienenkunde Oberursel.

 



Vollständiger Artikel

Infektionen: Eine unsichtbare Bedrohung Gemeinsame Forschung zu Bienengesundheit in Spanien



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