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Fit gegen Varroa - fit für den Winter

Gefährlicher Parasit bedroht die Gesundheit von Honigbienen

Honigbienen sind in Europa und Nord­amerika Nutztiere, deren Gesund­heit intensive Pflege durch den Menschen erfordert. Die größte Bedrohung, gegen die Imker vorgehen müssen, ist die Varroa-Milbe. Der Parasit schwächt die Bienen und überträgt Viren, die tödliche Krank­heiten auslösen. Bienen­experten sehen Varroa als Hauptgrund für erhöhte Honig­bienen-Völker­verluste, besonders über den Winter. Die Bienen­experten wollen Varroa bekämpfen und so die Gesund­heit von Honig­bienen verbessern.


Gefährlicher Parasit bedroht die Gesundheit von Honigbienen

Auf einen Blick

// Varroa destructor bedeutet „zerstörerische Milbe”. Der Name des Parasiten ist bezeichnend, denn er ist der gefährlichste Feind der Westlichen Honigbiene.

// Die parasitäre Milbe Varroa destructor wurde durch den Transport von Honigbienen aus Asien in beinahe alle Weltregionen eingeschleppt.

// Anders als die Asiatische Honigbiene, hat die Westliche Honigbiene noch keine wirksamen Schutzmechanismen gegen den Parasiten entwickelt.

// Varroa befällt adulte Honigbienen und ihre Brut und schwächt so das gesamte Bienenvolk. Zudem überträgt Varroa tödliche Viren auf die Honigbienen.

// In Europa und Nordamerika ist Varroa der Hauptgrund für regional erhöhte Honigbienen-Völkerverluste über den Winter. Ein weiterer Hauptfaktor ist ein Mangel an Nahrungsressourcen.

// Bayer engagiert sich weltweit dafür, Varroa zu beobachten und Strategien zur Bekämpfung der Milbe zu entwickeln, um die Gesundheit von Honigbienenvölkern zu verbessern.


Ernst Caspari

Ernst Caspari ist Mitglied im Imkerverein in Leverkusen und hat langjährige Erfahrungen als Imker gesammelt: Angefangen hat er bereits als Teenager. Noch heute hält er insgesamt 20 Honigbienenvölker.

Wenn Ernst Caspari Waben aus seinem Honigbienenvolk entnimmt, bleiben die Bienen darauf ruhig sitzen – anders als die Honigbienen in vielen anderen Teilen der Welt. Handschuhe und einen netzartigen Schleier zum Schutz des Gesichts trägt er nicht. „Die Bienen sind friedlich, das ist ein Resultat guter Züchtung“, sagt der erfahrene Imker und Bienenzüchter. Der 86-Jährige hält 20 Honigbienenvölker und ist Mitglied im Imkerverein in Leverkusen.

Als ehemaliger Bayer-Forscher im Bereich der Organischen Chemie steht Caspari weiterhin im engen Austausch mit Forschungskollegen und Bienenexperten am Bayer Bee Care Center in Monheim. Bayer engagiert sich mittlerweile seit 30 Jahren aktiv dafür, die Gesundheit der Bienen zu schützen und zu verbessern. Auch Caspari profitiert von dem intensiven Wissensaustausch.

Seine Begeisterung für Honigbienen ist in all den Jahren unverändert geblieben – seine Aufgaben als Imker haben sich dagegen stark verändert: Viel intensiver als zu Beginn seiner Tätigkeit ist er damit beschäftigt, gegen Bienenschädlinge vorzugehen. Die größte Bedrohung ist die Varroa-Milbe. Der Parasit dringt in die Honigbienenvölker ein und krabbelt in die Brutzellen der Bienen – kurz bevor die Arbeiterinnen diese verschließen. Zunächst versteckt sich die weibliche Milbe in der Brutzelle unter der Bienenlarve. Wenn die Zelle verschlossen ist, die Bienenlarve ihren Futtersaft aufgebraucht hat und anfängt sich zu verpuppen, beginnt der Parasit an der jungen Bienenpuppe zu saugen. Während der brutfreien Zeit, wie etwa im Winter, leben die Milbenweibchen auf den erwachsenen Honigbienen: Mit ihren Mundwerkzeugen stechen sie durch den Chitinpanzer der Bienen und saugen ihre Hämolymphe, eine blutähnliche Flüssigkeit.

 


Entwicklung der Varroa-Milbe in der Bienenwabe

 
Varroa Scheme
  1. Königin legt Eier

  2. Arbeiterin füttert die Larve

  3. Varroa-Milbe wandert in Zelle mit Larve ein

  4. Vermehrung: Die Muttermilbe legt das erste Ei. Aus dem unbefruchteten Ei entwickelt sich ein Männchen.

  5. Larve wächst zu voller Größe

  6. Arbeiterin schließt Zelle

  7. Verpuppung

  8. Aus den nächsten 4 – 5 befruchteten Eiern schlüpft der weibliche Milben-Nachwuchs.

  9. Junge Biene schlüpft aus der Zelle mit erwachsener Muttermilbe und 1 – 2 vollentwickelten Tochtermilben.

 

Neben der Bedrohung durch den Parasiten, besteht noch eine schwerwiegendere Gefahr für die Honigbienen: Sekundärinfektionen. Wie eine Zecke überträgt die Varroa-Milbe virale Krankheiten. „Der Befall durch den Parasiten schwächt das Immunsystem der Honigbienen, wodurch sie krankheitsanfälliger werden“, sagt Peter Trodtfeld, Bienenexperte und Imker am Bayer Bee Care Center. „Zudem überträgt die Milbe Viren direkt in ihre Hämolymphe. Dadurch können zuvor harmlose Viren für die Bienen sogar tödlich sein.“ Varroa ist beispielsweise Überträger des Flügeldeformationsvirus (DWV). Wenn Bienenpuppen damit infiziert werden, entwickeln sich deren Flügel nicht normal. Die schlüpfende Biene kann dann nicht fliegen und hat keine Überlebenschance. Die Varroa-Milbe gelangt über den Flug der Honigbiene von Stock zu Stock. Denn Bienen aus unterschiedlichen Völkern kommen auf der Nahrungssuche immer wieder in Kontakt, sogar über mehrere Kilometer hinweg. Auf diese Weise kann die Milbe sich sehr schnell ausbreiten.

Für Imker insbesondere in Europa und Nordamerika, wo die Milbe hohe Verluste verursachen kann, besteht eine wichtige Aufgabe darin, den Varroa-Befall im Honigbienenvolk möglichst gering zu halten. Daher besteht eine von Casparis Aufgaben darin, abzuschätzen, wie stark der Varroa-Befall in seinen Honigbienenvölkern ist. Deshalb wertet er auf einer Bodeneinlage – Varroa-Windel genannt – unter dem offenen Gitterboden im Bienenstock die Zahl der dort heruntergefallenen Milben aus. „Anhand der toten Varroen lässt sich hochrechnen, wie viele lebende Milben sich im Bienenvolk befinden“, erklärt er. Die regelmäßige Diagnose ist wichtig, um das entsprechende Behandlungsmittel gegen Varroa auszuwählen und den geeigneten Zeitpunkt und die Häufigkeit der Anwendung zu bestimmen.

 
One virus the mite transmits is Deformed Wing Virus (DWV). This can affect both brood and adult bees.

Ein Virus, der durch die Milbe übertragen wird, ist das Flügeldeformationsvirus (DWV), das sowohl bei der Bienenbrut als auch bei adulten Bienen vorkommen kann.

Symptoms may not be visible until infected bee pupae hatch with deformed wings (see above). As these bees cannot fly, their life span is shorter.

Die Symptome werden erst sichtbar, wenn die infizierte Bienenlarve mit verkrüppelten Flügeln schlüpft. Diese Jungbienen können nicht fliegen und haben eine verkürzte Lebensdauer.

Foto: copyright Rothamsted Research Ltd.

 

Heimisch ist die Varroa-Milbe ursprünglich in Asien. Der Parasit Varroa jacobsoni wurde vor 100 Jahren auf der Insel Java in Indonesien entdeckt, befiel bis dahin aber nur die Asiatische Honigbiene (Apis cerana). Diese Biene lebte vermutlich schon seit Hunderttausenden oder sogar Millionen von Jahren im Gleichgewicht mit dem Parasiten. Durch direkten Kontakt zu den Asiatischen Honigbienen, wurde die neu eingebrachte Westliche Honigbiene ebenfalls befallen. Aufgrund dieser rasanten Entwicklung hatte die Westliche Honigbiene keine Zeit, ausreichende Mechanismen zu bilden, um sich gegen den Parasiten zu schützen. „Ohne menschliche Hilfe stirbt ein befallenes westliches Honigbienen-Volk in der Regel innerhalb von einigen Jahren“, erklärt Trodtfeld. Die schädlichen Langzeiteffekte wurden jedoch zu spät erkannt, um zu verhindern, dass infizierte Völker zurück nach Europa gelangten, von wo aus der invasive Parasit sich seit den 1970er Jahren weiter verbreitete.

Peter Trodtfeld, bee expert and beekeeper at the Bayer Bee Care Center in Germany

Jedes Volk bedarf einer intensiven Pflege. Insbesondere müssen Schädlinge und Krankheiten behandelt werden, damit die Bienen gesund bleiben und bessere Chancen haben, den Winter zu überleben. Peter Trodtfeld, Bienenexperte und Imker am Bayer Bee Care Center in Deutschland, sieht eine gute Ernährung der Bienen und eine rechtzeitige Varroa-Behandlung als wichtigste Vorbereitungen der Honigbienenvölker auf den Winter.

Forscher identifizierten in den folgenden Jahren anhand von genetischen Untersuchungen die nach Europa verschleppte Milbe als eine von Varroa jacobsoni verschiedene Art, Varroa destructor – zu deutsch zerstörerische Milbe. Mittlerweile bevölkert diese Milbe viele Regionen der Welt: China, Russland, und andere Länder in Asien bestätigten Funde des Parasiten ebenso wie Europa, Afrika, Nord- und Südamerika sowie Neuseeland. In fast allen Regionen in Nordamerika und Europa kommt die Milbe in nahezu jedem Honigbienenvolk vor. Das ist auch der Grund, weshalb es in Nordamerika weniger und in Europa fast keine wildlebenden Honigbienen mehr gibt. Bislang ist Australien der einzige Kontinent, der von einer dauerhaften Invasion der Milbe verschont geblieben, vor allem durch intensive Kontrollen und strikte Quarantäne- Bestimmungen.

Obwohl Varroa fast weltweit vorkommt, sind die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bienenvölker, unter anderem durch die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Bienen, nicht überall gleichermaßen sichtbar. In Afrika und Teilen von Südamerika ist bekannt, dass die Milbe bei den dort vorkommenden Honigbienen nur wenige Probleme verursacht, unter anderem da die Bienen ein ausgeprägtes Schwarmverhalten zeigen: Sie lassen einen Teil des Volkes sowie die Brut, bei der sich besonders viele Milben befinden, zurück. Auch aus Südostasien ist keine größere Beeinträchtigung der Bienengesundheit durch die Varroa-Milbe bekannt. Abgesehen davon ist in vielen anderen Ländern außerhalb Europas und Nordamerikas momentan noch wenig über die tatsächliche Varroa-Situation in Bezug auf das Vorkommen und die Auswirkungen bekannt.

 
Dr Tjeerd Blacquière Senior Scientist at Plant Research International of Wageningen University, The Netherlands

Dr Tjeerd Blacquière
Senior Scientist am Plant Research International der Universität Wageningen in den Niederlanden

Foto: Willem Boot

Eine Varroa-Population kann sich während der Saison alle drei bis vier Wochen verdoppeln und so von 50 Milben Anfang Februar bis Ende August auf etwa 3.200 Tiere anwachsen.

Zur Bekämpfung der Milbe setzen Imker neben synthetischen Varroaziden auch organische Säuren ein: beispielsweise 15-prozentige Milchsäure und 60-prozentige Ameisensäure. „Die erste Behandlung mit Ameisensäure führe ich direkt nach der letzten Honigernte durch“, sagt Caspari. Die Flüssigkeit wird im Bienenstock verdunstet und verteilt sich gasförmig. „Das saure Gas dringt sogar in die verdeckelten Zellen ein und tötet die Brutparasiten“, erklärt er. Ein entscheidender Faktor für die Effektivität der Behandlung ist die Außentemperatur, die beeinflusst, wie schnell die Ameisensäure verdunstet. Daher eignen sich solche temperatur- und umweltabhängigen Produkte zur Varroa-Behandlung wegen der unterschiedlichen klimatischen Bedingungen nur für bestimmte Regionen der Welt. Außerdem können Imker auch synthetische Varroazide einsetzen, die speziell zur Bekämpfung von Milben entwickelt und zugelassen wurden. Einige der synthetischen Wirkstoffe – wie Amitraz, Coumaphos oder Flumethrin – werden in einen Kunststoffstreifen eingebettet, der zwischen die Brutwaben im Bienenstock gehängt wird. „Die Wirkstoffpartikel bleiben an den Haaren der Bienen haften, und durch ihre sozialen Kontakte geben die Bienen sie anschließend an andere Artgenossinnen im Stock weiter. So kommen die Varroa-Weibchen, die außerhalb der Brutwaben und auf den Bienen leben, mit dem Wirkstoff in Kontakt und werden abgetötet“, sagt Trodtfeld.

Eine einzige Varroa-Behandlung am Ende der Bienensaison reicht nicht aus, um das Bienenvolk vor den Parasiten zu schützen. Bei korrekter Behandlung früh im Jahr, im Sommer oder frühen Herbst können Imker den Befall unter der Schadschwelle halten – Varroa aber nicht vollständig aus dem Honigbienenvolk verbannen. „Es bleiben fast immer ein paar Milben übrig, die sich dann im Frühjahr erneut vermehren“, sagt Caspari. Eine Varroa-Population kann sich während der Saison alle drei bis vier Wochen verdoppeln. Eine Population von 50 Milben kann von Anfang Februar bis Ende August auf etwa 3.200 Tiere anwachsen.

 
Dick Rogers

Dick Rogers
Principal Scientist und Entomologe am Bayer Bee Care Center in Nordamerika

„Seit Varroa in den USA angekommen ist, ist die Milbe eine große Herausforderung. Wir müssen diese Bedrohung für die Gesundheit von Honigbienen bezwingen – mithilfe von intensiverem Monitoring und einem verbesserter Völkerführung. Wichtig ist, dass Imker wirksame Produkte nicht im Übermaß und jährlich wechselnde Substanzen verwenden, damit keine Resistenzprobleme entstehen.“

 

„Der mit Abstand schlimmste Schädling ist die Varroa-Milbe, zusammen mit den Viren, die sie verbreitet.“

Dr. Tjeerd Blacquière

Doch die Gesundheit und Vitalität der Bienen, die sich während der starken Milbenbelastung im Herbst entwickelt haben, sind erheblich beeinträchtigt. „Die Varroa-Behandlung muss rechtzeitig erfolgen, da wir die Krankheiten, die der Parasit möglicherweise vor der Behandlung übertragen hat, nachträglich nicht mehr behandeln oder heilen können“, erklärt Trodtfeld. Darüber hinaus erklärt Dr. Tjeerd Blacquière, Senior Scientist am Plant Research International der Universität Wageningen in den Niederlanden: „Viele umweltbedingte Stressfaktoren im Spätsommer können die Entwicklung fitter Winterbienen beeinträchtigen: Bienenkrankheiten und -parasiten wie der Darmparasit Nosema, Nahrungsmangel oder Beeinträchtigungen durch das Wetter im Sommer können die Anzahl und Vitalität der Winterbienen reduzieren. Doch der mit Abstand schlimmste Schädling ist die Varroa-Milbe, zusammen mit den Viren, die sie verbreitet.“

Je geringer der Varroa-Befall am Ende der Bienensaison ist – und je stärker ein Honigbienenvolk – desto größer sind die Chancen, dass die Bienen den Winter überstehen. „Honigbienen-Völkerverluste von bis zu 10 Prozent sind im Winter normal“, erklärt Caspari. Vor allem in vielen Regionen Europas und in Nordamerika hat das verstärkte Auftreten der Varroa-Milbe in den letzten Jahren erhöhte Honigbienen-Völkerverluste über den Winter verursacht. Caspari beobachtete diese Entwicklung, seitdem die Milbe 1984 zum ersten Mal seine Honigbienen befiel: „Zu Beginn war es viel, wenn an die 15 tote Milben bei der Varroa-Behandlung im Spätsommer in die Varroa-Windel fielen – heute sind es oft hunderte Milben“, sagt er.

Weltweit ist die Anzahl der Honigbienenvölker in den letzten 50 Jahren zwar etwa um 65 Prozent gewachsen, erhöhte Völkerverluste über den Wintern bedeuten, dass die Imker diese im Frühjahr durch das Ersetzen ihrer verlorenen Völker kompensieren müssen. Die „Bee Informed Partnership“ (BIP), unter anderem unterstützt von dem United States Department of Agriculture (USDA), gibt in ihren vorläufigen Untersuchungsergebnissen an, dass etwa 28 Prozent der Honigbienenvölker in den USA im Winter 2015-16 gestorben seien. „Das liegt über der Ausfallrate von 15 Prozent, die in den USA als akzeptabel gilt. Zudem haben wir selber mit vielen Imkern gesprochen, die Verluste von bis zu 100 Prozent verzeichneten“, sagt Dick Rogers, Principal Scientist und Entomologe am Bayer Bee Care Center in Nordamerika. Rogers sieht in der Varroa-Milbe den Hauptgrund für Honigbienen-Völkerverluste in Nordamerika: „Nahezu alle Völker in den USA sind zu einem gewissen Ausmaß von Varroa befallen“, sagt er. „In einem Gutachten, das wir 2015 durchführten, wiesen wir bei 78 Prozent der überprüften Honigbienenvölker sogar mehr als drei Milben pro 100 Bienen nach. Hochgerechnet auf ein Volk mit 40.000 Bienen entspricht das mindestens tausend Milben pro Volk – eine alarmierende Anzahl.“

 

Professor Dr Robin Moritz and Alexis Beaurepaire

Professor Dr. Robin Moritz (rechts) und Alexis Beaurepaire (links)

Interview


Genetik: Zurück zum Ursprung

Professor Dr. Moritz ist Inhaber des Lehrstuhls für molekulare Ökologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Hier arbeitet der Biologe Alexis Beaurepaire seit 2011 an seiner Doktorarbeit zum Thema Wirt-Parasit-Interaktionen der Asiatischen Honigbiene und der Varroa-Milbe. Seit 2014 erhält er für seine Forschung Unterstützung von Bayer.

 

Was ist der Hintergrund Ihrer Doktorarbeit?

Beaurepaire: Wenn wir Varroa destructor effizient bekämpfen wollen, müssen wir zunächst ihre Biologie verstehen: Bienenforscher und Imker beobachten seit einiger Zeit, dass Varroa-Milben bei der kontinuierlichen Anwendung von insektiziden Produkten aus der gleichen Wirkstoffklasse resistent dagegen werden. Wir wollen herausfinden, wie diese Resistenzen entstehen. Unser Ansatz ist, mithilfe von genetischen Untersuchungen zunächst mehr über die Populationsentwicklung der Milben zu lernen.

Prof. Moritz: Interessant dabei ist, dass die Milben zu Beginn ihres Lebenszyklus in den Brutzellen der Bienen auf Inzucht angewiesen sind, damit sie sich fortpflanzen können. Das ist normalerweise schlecht für die genetische Vielfalt von Populationen. Varroa scheint davon sogar zu profitieren.

Inwiefern?

Beaurepaire: Ich habe die Dynamik einer Varroa-Population über ein Jahr hinweg untersucht. Dabei stellte ich mithilfe von genetischen Markern eine höhere Diversität fest als ich auf Grund der Inzucht angenommen hatte. Zudem zeigte sich eine schnelle Evolution der Milben. Das erklärt, warum Varroa so schnell Resistenzen gegen Insektizide entwickeln kann. Mein nächstes Ziel ist, die Reproduktion der Milbe genauer zu untersuchen.

Wie ist der Bezug Ihrer Arbeit zur Varroa-Gate-Technologie?

Beaurepaire: Das Varroa-Gate hilft dabei, dass Milben, die bereits in den Bienenstock eingedrungen sind, abgetötet werden – und wirkt bei denen, die gerade in das Volk eindringen. Die Varroa-Gate-Technologie ist sehr elegant – nützt uns aber nichts, wenn die Milben nach kurzer Zeit resistent gegen den Wirkstoff sind. Daher ist es wichtig, verschiedene Wirkstoffe und Bekämpfungsansätze systematisch zu variieren.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Bayer?

Prof. Moritz: Unsere Zusammenarbeit mit Bayer begann 2014. Bayer Animal Health testet das Varroa-Gate in großen Feldstudien – unter Leitung von Professor Dr. Nikolaus Koeniger und Dr. Gudrun Koeniger von der Universität in Halle. Dabei sammeln sie Milben mit und ohne Resistenzen. Alexis Beaurepaire typisiert das Genom dieser Milben und untersucht, ob die saisonale Populationsdynamik beider Milbentypen durch Inzucht und durch genetische Rekombination, also durch Mischung der Erbanlagen, zum Ende der Saison beeinflusst wird.

Wie lassen sich bereits resistente Milben bekämpfen?

Beaurepaire: Indem man die Behandlungen an den natürlichen Rekombinationszyklus der Milben anpasst. Wenn am Ende der Bienensaison – dem Zeitpunkt an dem wenig Bienenbrut vorhanden ist – noch keine Behandlung erfolgt ist, müssen die wenigen resistenten Milben im Volk sich mit nichtresistenten Linien kreuzen. Der generierte Nachwuchs ist dann vermutlich wieder anfällig für Bekämpfungsmittel. Aus diesem Grund werden nach dieser Phase wieder deutlich mehr anfällige Milben vorhanden sein, die dann effektiv mit einem Varroazid getötet werden können.

 

 
Honey bees

Ausblick

Eine zukünftige Lösung gegen das Milbenproblem wäre die Züchtung Varroa-resistenter Bienenpopulationen.

Honigbienen mit dem sogenannten Varroa-sensitives Hygiene-Verhalten erkennen den Befall der Varroa-Milbe in den verdeckelten Brutzellen und entfernen die infizierte Bienenpuppe mit dem Parasiten. Dadurch verlangsamen sie die Vermehrung der Milbe im Bienenvolk.

Forscher versuchen diese Fähigkeit zur Verteidigung, durch gezielte Zucht bei europäischen Honigbienenpopulationen langfristig zu stärken. Forschungs- und Zuchtprojekte erzielten bereits erste Erfolge und zeigen Potenzial, Bienengesundheit in Zukunft maßgeblich zu verbessern. Dafür bedarf es aber noch weiterer Forschungen.

 

Für Europa schätzt Dr. Blacquière die aktuelle Situation positiver ein: „In den meisten europäischen Ländern, einschließlich den Niederlanden, Deutschland und Österreich sind die Bienenverluste im Winter sehr niedrig ausgefallen“, sagt er. „Nur vereinzelte Imker berichten über hohe Verluste, die ich auf eine zu späte oder fehlende Varroa-Behandlung zurückführen würde.“ Einen vorläufigen Bericht über die Überwinterungsverluste in vielen europäischen Ländern veröffentlichte das Forschungsnetzwerk COLOSS (Prevention of honey bee COlony LOSSes) im Juli 2016. In den meisten Ländern sind die Honigbienen-Völkerverluste niedrig ausgefallen: Der europäische Durchschnitt liegt bei rund 12 Prozent. Dr. Klemens Krieger, Bienengesundheitsexperte bei Bayer, glaubt, dass der milde Winter 2015/16 auch Spätfolgen haben könnte: „Die warmen Temperaturen bedeuten, dass Honigbienen über einen längeren Zeitraum gebrütet haben. Das bedeutet auch, dass die verbleibenden Varroa-Milben sich nahezu über das ganze Jahr in den Brutzellen der Bienen fortpflanzen konnten. Dadurch erhöht sich ihre Anzahl im Bienenstock deutlich, was ihre Bekämpfung weiter erschwert.“

Bayer arbeitet gemeinsam mit Partnern stetig daran, Honigbienengesundheit zu verbessern und Strategien zur effektiveren Kontrolle der Varroa-Milbe zu finden. So haben Bayer- Forscher etwa einen Kunststoffstreifen entwickelt, der einen akariziden Wirkstoff enthält. Dieser Streifen wird am Einflugloch eines Bienenstocks angebracht, um einen Milbenbefall vorzubeugen. Es ist geplant, das Produkt 2017 auf den Markt einzuführen. Imker könnten es dann als Teil einer integrierten Varroa-Behandlung einsetzen. Bayer entwickelte diese Technologie gemeinsam mit Professor Dr. Nikolaus Koeniger und Dr. Gudrun Koeniger von der Universität Halle.

Grundsätzlich gilt, dass Imker ihre Behandlungsstrategie variieren müssen: „Wenn Imker die Varroa-Milbe kontinuierlich dem selben Wirkstoff oder einem anderen, der gleich wirkt, aussetzen, besteht die Gefahr, dass der Schädling Resistenzen gegen die Substanz entwickelt“, erklärt Trodtfeld. Solche Resistenzbildungen wurden bereits bei allen verfügbaren synthetischen Varroaziden berichtet. Durch eine Rotation verschiedener Wirkstoffe, die Varroa auf unterschiedliche Arten bekämpfen, kann einer schnellen Resistenzentwicklung vorgebeugt und einer bestehenden Resistenz entgegengewirkt werden.

Um zu testen, in wie weit Pyrethroidresistenzen verbreitet sind, rief Bayer Imker in Deutschland dazu auf, Proben mit Varroa-Milben einzuschicken. In einen molekularbiologischen Test wurde untersucht, ob die eingesendeten Milben resistent sind. „Glücklicherweise haben wir in Deutschland nur vereinzelt phyrethroidresistente Milben gefunden“, berichtet Trodtfeld. „Das ist ein erfreuliches Ergebnis“, sagt er. Kürzlich wurde das Resistenzmonitoring auf Gebiete in Ungarn ausgeweitet. Dort wurden keine phyrethroidresistenten Milben gefunden. In Zusammenarbeit mit der Universität Valencia und Rothamsted Research arbeiten Bayer Forscher an einem Test, der zeigt, ob eine Milbe pyrethroidresistent ist. Das wollen sie gemeinsam auch für weitere Varroazide umsetzen. „Unser Ziel ist es, schnelle, einfache und preiswerte Nachweismethoden für alle Arten von Resistenzen zu entwickeln“, erklärt Krieger. Auf diese Weise können Imker schnell klären, ob und welche Resistenzen bei den Milben in ihrem Bienenvolk vorliegen – und dann die effektivste Behandlung wählen.

 

Varroa-Befall 5 bis 10 mal höher

Zur Vermehrung dringt eine weibliche Varroa-Milbe in die Brutzelle ein, kurz bevor sie verschlossen wird. Die Drohnenbrut wird dabei fünf- bis zehnmal häufiger befallen als die der Arbeiterbienen, weil die Drohnen 2 bis 3 Tage mehr für ihre Entwicklung benötigen. Dies ermöglicht die Entwicklung zusätzlicher weiblicher Milben, bevor die Drohne die Zelle verlässt.

 

In Studien in den USA stieß Bayer bereits auf resistente Milbenpopulationen: „In einigen Regionen stehen Imker nur noch wenige wirksame Produkte gegen Varroa zur Verfügung“, fasst Bayer-Forscher Rogers die bisherigen Ergebnisse der fortlaufenden Studie zusammen. Das Bee Care-Team vor Ort setzt sich deshalb dafür ein, ein effektiveres Varroa-Management zu entwickeln. Das beinhaltet die Suche nach effektiveren Behandlungsmitteln und Strategien. Neben vielen anderen Projekten und Initiativen förderte das Bayer Bee Care Center in Nordamerika in 2015 die Healthy Hives 2020 Initiative (HH2020). Das Ziel des Programms ist es, externe Projekte zu fördern, die helfen sollen, die Honigbienengesundheit in den USA besser zu verstehen und bis 2020 nachweislich zu verbessern.

Rogers ist optimistisch, dass sich Varroa bei Anwendung der richtigen Maßnahmen besser kontrollieren ließe: „Wenn Imker lernen, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Vorkehrungen zu treffen, können Sie den Befall gering halten“, sagt er. Wie hoch der Varroa-Befall in den Bienenvölkern ist, kann von Jahr zu Jahr stark variieren. Für Rogers ein Grund, um Monitoring-Aktivitäten zu intensivieren: „Im Rahmen unseres sogenannten Smart Hive-Programms arbeiten wir mit Frühwarn- und Datensystemen, die den Zustand der Bienenvölker aus der Ferne überwachen. Sensoren in und um den Bienenstock messen unter anderem die Geräuschkulisse, die Temperatur im Brutbereich, die relative Luftfeuchtigkeit, das Stockgewicht sowie umliegende Wetterverhältnisse. Mit den Informationen aus den Sensoren können wir den Zustand eines Bienenvolkes von jedem Computer oder mobilen Gerät mit Internetzugang aus beurteilen“, sagt er. „Diese systematischen Beobachtungen helfen uns, den Gesundheitszustand des Volkes besser zu verstehen und den Bedürfnissen der Bienen präzise und pünktlich gerecht werden.“

Imker Caspari ist mit seiner Varroa-Diagnose zufrieden: der Befall im Bienenvolk ist aktuell gering. Er wird den Parasiten aber die ganze Bienensaison über im Auge behalten. „Wir müssen rechtzeitig gegen Varroa vorgehen, um die Honigbienen gesund zu halten. Nur so haben sie eine Chance, den nächsten Winter zu überleben und im Frühjahr wieder ein starkes Volk zu bilden“, sagt Caspari. Nicht nur für Imker auf der ganzen Welt, die mit Honig und anderen Produkten sowie mit professionellen Bestäubungsdiensten ihr Einkommen generieren, sind Honigbienen wichtig – aufgrund der Bestäubung vieler Nutzpflanzen sind diese auch ein wichtiger Bestandteil nachhaltiger Landwirtschaft.

 

 
Udo Gensowski

Interview


„Die Varroa-Milbe ist das Hauptgesprächsthema unter den Imkern.“

Udo Gensowski ist Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Bechen e.V. in der Nähe von Bergisch Gladbach. Der Verein existiert seit 1930 und zählt aktuell über 160 Mitglieder. Bei monatlichen Versammlungen teilen erfahrene Imker ihr Wissen mit Jungimkern. Ein wichtiges Thema: die Varroa-Behandlung.

 

Wie stark beeinflusst Varroa destructor die Imkerei?

Die Varroa-Milbe hat unsere Arbeit in den letzten Jahren enorm verändert. Es ist heute nicht mehr ratsam, Imkerei – ohne Schulungen – als reines Hobby auszuüben. Durch die Ausbreitung des Parasiten brauchen wir mehr Wissen als früher, wir müssen genauer beobachten und neue Methoden anwenden – zum Beispiel das Schneiden der Drohnenbrut: Die männliche Bienenbrut wird besonders häufig von den Milben befallen, daher kann man durch Entnahme der Drohnenbrut die Vermehrung der Varroen reduzieren.

Wie gefährlich ist der Parasit Ihrer Meinung nach?

Der Varroa-Befall ist ausschlaggebend dafür, wie gut ein Bienenvolk den Winter übersteht. Vor allem, weil die Milben Honigbienen auch mit Sekundärkrankheiten infizieren, die tödlich sein können. Es gibt auch andere Bienenkrankheiten wie Nosema oder die Amerikanische Faulbrut – aber die Varroa-Problematik ist in Deutschland am stärksten präsent.

Wie äußern sich Imker über Varroa?

Die Varroa-Milbe ist wirklich das Hauptgesprächsthema unter den Imkern. Jedes Jahr beobachten wir Bienenvölker mit einem starken Befall – und andere mit einem sehr geringen Befall. Ausschlaggebend dafür ist der Umgang der Imker mit dem Problem. Meiner Meinung nach muss man konsequent und genau sein und kleinste Anzeichen richtig deuten. Wenn die Bienen im Herbst noch verstärkt brüten, kann das zum Beispiel ein Warnsignal sein und bedeuten, dass sie gegen ein hohes Varroa-Aufkommen ankämpfen. Bei der Behandlung kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. Falsch angewendet können Mittel wie Ameisensäure oder Oxalsäure sogar schädlich für die Bienen sein. Unsere Schulungen helfen bei der korrekten Anwendung. Ich rate jedem Jungimker, sich Unterstützung im Verein zu suchen.

Was beeinflusst die Gesundheit von Honigbienen ausserdem?

Wichtig ist, dass Honigbienen ausreichend Nahrung finden. Man muss als Imker jedes Jahr verschiedene Faktoren berücksichtigen – wie das Wetter und umliegende Trachtpflanzen. Selbst wenn in der Umgebung viele Blumen zu finden sind, heißt das nicht automatisch, dass auch genug Nektar vorhanden ist. Viele Blüten bilden nämlich erst ab einer Außentemperatur von 20 Grad Celsius Nektar. Ich gebe den Jungimkern immer mit auf den Weg: Beobachtet eure Bienenvölker und die Natur genau.

 

 

Videos

Einfach erklärt: Bienengesundheit und Varroa

Wir erklären, warum die Varroa-Milbe ein großes Problem für Honigbienenvölker ist und warum es falsch ist, die Schuld für eine mangelhafte Bienengesundheit einseitig auf die moderne Landwirtschaft und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu schieben.

 

Der größte Feind der 'Westlichen Honigbiene' Varroa destructor

Die Milbe bedroht die Gesundheit der Bienen massiv, denn sie überträgt gefährliche Krankheiten. Bayer-Experte Dr. Klemens Krieger kennt den Parasiten genau und weiß, welchen Einfluss der Schädling auf Honigbienenkolonien hat. Im Video erklärt er, wie Bayer Imker beim Schutz ihrer Bienen vor der Varroa-Milbe unterstützt.

 

Varroa destructor: eine bleibende Herausforderung

Eine bleibende Herausforderung für Forschung und Imkerei. Ergebnisse einer Feldstudie des Instituts für Bienenkunde Oberursel.

 

 

Weitere Informationen


So erfolgt der „Der Rauswurf der Milben“, bei Honigbienen mit dem Varroa-sensitives-Hygiene-Verhalten.

In Varroa im Visier“ werfen wir einen Blick auf effiziente Milbenbekämpfung bei Honigbienen unter Feldbedingungen.

Interessieren Sie sich mehr für Varroa? Unsere Broschüre „Die Varroa-Milbe – Ein gefährlicher Bienenparasit“ enthält nützliche Informationen.




Vollständiger Artikel

Fit gegen Varroa - fit für den Winter Gefährlicher Parasit bedroht die Gesundheit von Honigbienen
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