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Flug im Wein

Bienenforschung in der chilenischen Landwirtschaft

Rund um den Globus spielen bestäubende Insekten wie Bienen, Schmetterlinge oder Fliegen eine wichtige Rolle beim Anbau vieler Nutzpflanzen, vor allem von Obst, Gemüse und Nüssen. Bei anderen Nutzpflanzen wie Mais sammeln Bienen Pollen, ohne zur Bestäubung beizutragen. Forscher untersuchten, welches Szenario bei der Produktion von Tafeltrauben in Chile gilt. Gemeinsam mit einem Partner aus der Industrie gab das lokale Bayer Bee Care Team in Chile eine Studie bei Ceapimayor als akademischem Partner in Auftrag. Das Ziel: herauszufinden, ob Tafel- und Weintraubenplantagen attraktiv für Bestäuber sind.


Bienenforschung in der chilenischen Landwirtschaft

Auf einen Blick

// Tafel- und Weintrauben gehören zu den wichtigsten Kulturpflanzen Chiles.

// Das lokale chilenische Team hat gemeinsam mit Partnern untersucht, ob Bestäuber in Chile in Weintraubenplantagen fliegen.

// Die Studie wurde durchgeführt, um zu untersuchen, ob Pflanzenschutzmittel Bestäubern schaden könnten. Die Bestäuber sind allerdings nicht betroffen, da sie die Weinplantagen in Chile kaum anfliegen.


Fokus Südamerika
Vine farmer

Wenn die Früchte der Rebpflanze heranreifen, bilden sie mehr Wasser und Zucker. Damit sie für die Weinproduktion nicht zu süß werden, lesen chilenische Winzer die Trauben schon zum Herbstanfang.

Chiles Agrarwirtschaft lebt vom Anbau von Rebenfrüchten: Ungefähr die Hälfte der gesamten Erträge von Nahrungspflanzen des südamerikanischen Landes entfällt auf Tafelund Weintrauben. Mit 193.000 Hektar Anbaufläche ist Chile einer der größten Weinerzeuger der Welt – und Tafeltrauben gehören zu seinen Exportschlagern. Um diesen Erfolg auf dem Weltmarkt zu sichern, schützen die Landwirte ihre kostbaren Reben mit Pflanzenschutzmitteln vor Krankheiten und Schädlingen. Das könnte unter Umständen aber auch nützlichen Bestäubern wie Wildbienen schaden, wenn sie in den Plantagen Nahrung suchen.

Um also das Risiko für Bestäuber zu minimieren, ist es für Anbauer wichtig zu wissen, wann Bienen im Feld sind. „Bis in die 1970er-Jahre ging man allgemein davon aus, dass Bienen Traubenblüten nicht besuchen“, erklärt Dr. Christian Maus, Global Pollinator Safety Manager beim Bayer Bee Care Center in Monheim. Allerdings wurde später in Süddeutschland beobachtet, dass Bienen in Weintraubenplantagen fliegen. „Das bedeutet aber nicht automatisch, dass das in Chile genauso sein muss“, so Dr. Maus.

Denn die Pflanzen können je nach Klima und Landschaft unterschiedlich attraktiv für Bienen sein, sodass sich die Situation, also ob und wie viele Bienen in die Felder fliegen, schon von Region zu Region ändern kann. Dennoch können genauere Untersuchungen unser grundlegendes Verständnis erweitern und Anhaltspunkte für ähnliche Regionen geben.

Bayer hat daher gemeinsam mit dem Industriepartner Syngenta, der die Studie mitfinanzierte, die Bienen des Andenstaates inspiziert. Forscher von Ceapimayor, dem Bee Center der Universidad Mayor in Santiago de Chile, führten von September 2014 bis Februar 2015 Feldstudien in Chile durch, um herauszufinden, wie viele Bestäuber während der Blütezeit in den Tafel- und Weintraubenplantagen zu finden sind. Die Bienenforscher untersuchten zum einen Rebflächen in Linderos, einem Dorf im fruchtbaren Zentrum Chiles, wo vor allem Tafeltrauben angebaut werden. Zum anderen erforschten sie die Situation in den Weinbauplantagen in Molina im zentralen Süden des Landes. „Molina ist stärker von der Forstwirtschaft geprägt. Und auf den natürlichen Waldflächen finden beispielsweise Wildbienen mehr Nistgelegenheiten als auf den nördlicheren Versuchsflächen“, erklärt Alan Lüer, bei Bayer verantwortlich für Public & Government Affairs und Stewardship und Leiter des Bienenteams in der Cono Sur-Region.

 
Chile

Zu Chiles faszinierender Landschaft gehören auch 193.000 Hektar Weinplantagen. In einer Studie zählten Forscher die Anzahl bestäubender Insekten auf den Plantagen und in angrenzenden Blumenwiesen.

„Wir hatten im Vorfeld vermutet, dass wir nur wenige Bienen in den Feldern finden würden“, erläutert Lüer. „Von Oktober bis Dezember waren wir auf Weinplantagen in zwei klimatisch unterschiedlichen Gebieten Chiles unterwegs – immer zu anderen Tageszeiten und auch von früher bis zur späten Blüte“, fügt Lüer hinzu.

Die Forscher waren bei der Studie selber auf den Plantagen. An jeweils acht definierten Punkten pro Prüffläche zählten sie alle Wildbienen, die ihnen innerhalb von zehn Minuten begegneten – ebenso auch andere Insekten wie Wespen, Käfer, Fliegen oder Schmetterlinge. Zusätzlich fingen sie Insekten stichprobenartig ein. Die Wissenschaftler konnten so die Anzahl der verschiedenen Bestäuber im Zentrum des Feldes und am äußeren Rand der Weinbauflächen abschätzen. Zusätzlich nahmen sie auch die Situation außerhalb des Untersuchungsgebiets unter die Lupe. Denn die beiden geprüften Plantagen waren umgeben von unbebauten Flächen, auf denen Wildblumen wuchsen – beispielsweise Löwenzahn oder Acker-Rettich. Anschließend bestimmten die Experten die gefangenen Insektenarten im Labor und dokumentierten die Anzahl und die Artenvielfalt.

Das Ergebnis der Studie: „Es sind so gut wie keine Bestäuber in die Plantagen ausgeschwärmt“, fasst Lüer zusammen. „Außerhalb der Weinbaugebiete fanden wir deutlich mehr Insekten und mehr Arten.“ Insgesamt 718 Individuen beobachteten oder fingen die Forscher – und zählten davon 705 verschiedene Arten: eine enorme Vielfalt. Am Rand der Plantagen fanden sich im Schnitt lediglich acht einzelne Bestäuber – und inmitten der Traubenpflanzen nur noch fünf.

Traubenblüten sind für Bienen und andere Bestäuber nicht sehr attraktiv, wenn genügend pollenspendende Gräser, Blumen und Waldflächen die Plantagen umgeben.

Das bedeutet: Wenn chilenische Landwirte die richtigen Voraussetzungen auf ihren Feldern haben, können sie beispielsweise auch während der Blüte Pflanzenschutzmittel in Weinbauplantagen ausbringen – ohne damit Bienen zu gefährden.

Gemeinsam mit seinem Partner Syngenta möchte Bayer seine bereits vor zwei Jahren gestartete Forschungskooperation mit der Universidad Mayor de Santiago de Chile künftig fortsetzen: „Für die nächsten Jahre planen wir weitere Studien zu anderen Kulturpflanzen, wie beispielsweise Mais, der von Stein- oder Kernobst umgeben ist“, erklärt Lüer. „Zusammen wollen wir noch mehr über die Situation von Bienen in Chile und in anderen Ländern in Südamerika erfahren – und so einen wichtigen Beitrag zur Bienensicherheit in der Landwirtschaft leisten.“

 

Ausblick

Die Studie hat gezeigt: Nur sehr wenige Wildbienen fliegen in Weinbauplantagen, wenn diese von anderen reichhaltigen Nahrungsquellen umgeben sind. Gemeinsam mit dem Industriepartner Syngenta plant Bayer in den nächsten Jahren weitere Forschungskooperationen, um die Insektenpopulationen in Kulturpflanzen in unterschiedlichen Regionen zu untersuchen.


Rafael Rodriguez

Interview mit Rafael Rodríguez

Rafael Rodríguez ist Veterinär am Ceapimayor – dem Zentrum für Bienenzucht- Aktivitäten an der Universidad Mayor in Santiago, Chile. Dort leitet er die Abteilung für die Diagnose von Bienenkrankheiten.

Welches sind die größten Gefahren für Honigbienen in Südamerika?

Das größte Problem in Chile ist die Varroose. Varroa destructor ist eine in Chile weit verbreitete Milbe, die Viren auf Honigbienen überträgt. Das führt zu einem Verlust von Bienenvölkern und einer verminderten Honigproduktion. Ein großes Problem ist auch ein Mangel an nahe gelegenen Futterquellen. Und letztlich führt auch der Klimawandel zu größeren Verlusten der Honigbienenkolonien.

Wie lief die Zusammenarbeit zwischen den Forschern der Feldstudie zum Weinbau und den Mitarbeitern von Bayer?

Die Weinbaustudie hat bestätigt und erfolgreich gezeigt, was bereits allgemein bekannt war: Im Normalfall fliegen Bienen während der Blütezeit in Chile keine Weinreben an. Die Bayer-Forscher unterstützten die Auswahl von Weinbergen für die Studie und stellten standardisierte Testprotokolle zur Verfügung. Die Universidad Mayor adaptierte diese für den Weinbau. Wir haben die Feldversuche durchgeführt, die beobachteten Bestäuber im Labor identifiziert und die Daten analysiert. Beide Gruppen haben den Projektverlauf und die Fortschritte analysiert. Die Ergebnisse spiegeln die Situation vor Ort wider, könnten aber genauso wichtig für andere Länder sein.

Welchen Aufgaben muss sich die Bienenforschung zukünftig ganz allgemein stellen?

Kurzfristig müssen neue Strategien entwickelt werden, mit denen sich die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen zwischen Bienenkolonien eindämmen lässt. Langfristig sollte der Fokus auf neuen Behandlungsmöglichkeiten von Krankheiten und einem integrierten Schädlingsmanagement liegen. Außerdem ist es notwendig, die tatsächlichen Auswirkungen von Agrochemikalien auf Bienen und den Einfluss des Klimawandels zu untersuchen. Sämtliche Forschungsergebnisse müssen effektiv kommuniziert werden. Hier ist angewandte Forschung mit hohem Praxisbezug gefragt.


Chris Bass, Head of the Bee Toxicogenomics project at Rothamsted Research in the UK

Die Forscher dokumentierten alle gefundenen Insektenarten – wie etwa den Tagfalter „Vanessa carye“, den Marienkäfer und die Käferart „pololo común“, zu Deutsch „der gewöhnliche Verehrer“ (von links nach rechts).




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