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Fraunhofer Chile Research Foundation

Bessere Ernteerträge sichern

Bestäubung hängt bei Nutzpflanzen manchmal vom Zufall ab, wenn sie auf natürliche Weise geschieht. Mithilfe eines gezielten Einsatzes von Honigbienen kann die Bestäubungsrate allerdings enorm verbessert werden. Deshalb erhebt die Fraunhofer Chile Research Foundation, unterstützt von Bayer, umfassende wissenschaftliche Daten zur aktuellen Situation der Bienengesundheit in Zentralchile – und untersucht, wie diese mit der Bestäubung von Nutzpflanzen zusammenhängt.


Bessere Ernteerträge sichern

Auf einen Blick

// Die Fraunhofer Chile Research Foundation und Bayer kooperieren in einer groß angelegten Studie zur Bienengesundheit in Zentralchile.

// Die Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Bienengesundheit und möglichen Einflussfaktoren wie imkerlichen Praktiken, Krankheitserregern und Pflanzenschutzmitteln.

// Chiles Landwirte bauen verschiedene Nutzpflanzen an, so beispielsweise Mandeln oder auch Avocados. Viele davon sind von der Bestäubung durch Insekten abhängig.

// Anhand der Situation der Bienengesundheit können die Forscher auch beobachten, ob diese im Zusammenhang mit der Bestäubung von Nutzpflanzen steht.


Chile

Die abwechslungsreiche Landschaft Chiles

Chile erstreckt sich über eine Länge von mehr als 4.000 Kilometer und vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von 6.000 Meter. Im Westen grenzt es an den Pazifischen Ozean, im Osten türmt sich die Bergkette der Anden auf. Dazwischen liegen die Ebenen des Valle Central. Es gibt mehr als 2.000 Vulkane, und im letzten Jahrhundert kam es zu mindestens 48 Ausbrüchen.

Noch gibt es im Land jedoch einige Wissenslücken, so etwa bei der Gesundheit von Honigbienen – einem der Hauptbestäuber. „Ziel der Studie ist es, lückenlose Daten zu gewinnen, um eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für fokussierte Entscheidungen zu schaffen. Darüber, wie man qualitativ Landwirtschaft betreiben kann, von der sowohl Landwirte als auch Imker profitieren können“, erklärt Doorn. Er und sein Team wollen die beobachteten Unterschiede bei der Produktivität von Nutzpflanzen in Zentralchile verstehen.
„Wir wollen wissen, ob einige Agrarbetriebe produktiv und andere, ganz in der Nähe, weniger produktiv sind, weil die Bienengesundheit die Bestäubungsleistung beeinflusst. Das Projekt wurde entwickelt, um Bienengesundheit präzise zu beurteilen und so eine wissenschaftliche Basis für Schlussfolgerungen zu schaffen.“ Im Rahmen der übergreifenden Studie unterstützt Bayer die Analyse verschiedener Faktoren, die die Bienengesundheit beeinflussen könnten: imkerliche Praktiken, Schädlinge sowie Pflanzenschutzmittel.

Im Laufe der Studie werden 70 Bienenstände zu verschiedenen Zeitpunkten im Verlauf eines Jahres untersucht. Die Forscher von Fraunhofer untersuchen imkerliche Praktiken, die Stärke der Bienenvölker, das Vorkommen von Krankheitserregern im Stock und mögliche Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Bienenbrot der Völker. An jedem der 70 Bienenstände wurden nach einem Zufallsprinzip vorab drei Honigbienenvölker zur gründlichen Untersuchung ausgewählt. Die Imker werden regelmäßig befragt, um den Zustand ihrer Bienenvölker, ihre eigenen Beobachtungen sowie ihre imkerlichen Praktiken zu besprechen. Die Stärke der Bienenvölker wird anhand der Zahl der Honigbienen, die sich auf den Waben befinden, abgeschätzt. Ebenso werden die Honig- und Pollenmenge sowie die Bienenbrut in jeder Wabe abgeschätzt. Die gewonnenen Daten erlauben eine quantitative Einschätzung, durch die Bienenvölker untereinander vergleichbar werden.

Das Team von Marnix Doorn hat bereits einige Ergebnisse erzielt. In der ersten Beobachtungsphase zeigten sich generelle, wenn auch noch nicht vollständig bestätigte Trends. Diese stehen vor allem in Zusammenhang mit Praktiken in Imkerei und Landwirtschaft: „Wir führen beispielsweise ein schwaches Volk auf eine mangelnde Ernährung und unzureichende imkerliche Sorgfalt zurück“, so Doorn. Das Forschungsteam fand auch Gründe für Optimismus: So halten sie zum Beispiel das Ausmaß des Varroa-Befalls für die meisten Bienenstöcke in dem Gebiet für akzeptabel. Einige der untersuchten Bienenstände werden außerdem bereits extrem gut von fachkundigen Imkern betreut.

Fraunhofer Institute in Chile

Marnix Doorn (links) und sein Team bei Fraunhofer wollen etwas bewegen: Sie beobachten die Gesundheit von Honigbienen in Zentralchile und sammeln wichtige Daten. Diese könnten dazu beitragen, die Bestäubung durch Bienen und somit die Produktivität von Nutzpflanzen zu verbessern.

Trotzdem sagt Doorn: „Obwohl der gute Wille bei den Imkern da ist, fehlt es in der Bienenhaltung bei manchen an Know-how.“ Nach der ersten Beobachtungsphase bekräftigt die Studie das, was bereits in früheren Kurzzeituntersuchungen festgestellt wurde. Die Daten, die mit Bayers Unterstützung generierten wurden, fließen mit in die allgemeine Studie zu Bestäubung und nachhaltiger Landwirtschaft ein. Diese zeigt deutliche Wissenslücken in Bezug auf den Zusammenhang zwischen guter Bienenhaltung und der Bestäubung von Nutzpflanzen in der chilenischen Landwirtschaft auf. Doorn sieht darin den springenden Punkt: “Der Mangel an Kenntnissen trägt nicht nur zu dem Problem bei – er ist selber das Problem.” Eine weitere Herausforderung für ihn und sein Team wird in der Umsetzung der wissenschaftlichen Befunde in konkrete Maßnahmen bestehen.

„Die große Frage ist jetzt, wie man jeden darin schulen kann, gebotene Praktiken umzusetzen.“

Starke Bienenvölker erfordern grundlegende Fürsorge: die Bereitstellung von reichlich sauberem Wasser, abwechslungsreiche, gesunde Nahrung sowie den Erhalt der Diversität von Trachtpflanzen, die Bienen benötigen. Gleichzeitig ist auch eine verantwortungsbewusste Landwirtschaft essenziell. „Wenn man etwa weiß, dass Mandeln fast zu 100 Prozent auf Insektenbestäubung angewiesen sind, werden Bienen zu einem der wichtigsten Hilfsmittel auf der Farm. Das ist vergleichbar mit einem Mähdrescher, den man zur Ernte braucht – der aber nur funktioniert, wenn man sich gut darum kümmert“, sagt Doorn und fügt hinzu: „Bienen sind für solche landwirtschaftliche Betriebe sozusagen die Mähdrescher – wenn man sich nicht gut um sie kümmert, sinkt die Produktivität der Farm.“ Doorn folgert, dass Landwirte auch verstehen müssten, dass sie viele Möglichkeiten haben, für die Gesundheit der Bienen zu sorgen.

Die Bedingungen dieser Studie sind charakteristisch für die Landschaft, die breit gefächerten Anbaukulturen und landwirtschaftlichen Praktiken in Chile. Anhand von detaillierten Analysen, kombiniert mit fachlichem Austausch, kartiert die Studie die Bienengesundheit in Zentralchile. Doorns grundlegendes Prinzip: „Es geht nicht einfach darum, ein Unternehmen, eine Branche oder die Wirtschaft zu verbessern. Wir brauchen gute wissenschaftliche Arbeit, um Entscheidungen zu ermöglichen, die die Landwirtschaft noch nachhaltiger machen und stabile Erträge sichern.“

Fazit

Die aktuelle, übergreifende Studie zu Bestäubung und nachhaltiger Landwirtschaft zeigt deutliche Wissenslücken in Bezug auf den Zusammenhang zwischen guter Bienenhaltung und der Bestäubung von Nutzpflanzen in der chilenischen Landwirtschaft auf. Die Studie der Fraunhofer Chile Research Foundation, unterstützt von Bayer, schafft ein Musterbeispiel für die Analyse von Bienengesundheit, die letztlich landwirtschaftliche Erträge verbessern soll – nicht nur in Chile, sondern möglicherweise auch in einem größeren geografischen Maßstab.


Interview


Aussagekräftige Daten erheben
Marnix Doorn

Marnix Doorn, Projektleiter der Studie, stammt ursprünglich aus den Niederlanden. 2004 kam er aus beruflichen Gründen nach Chile. Eines seiner Projekte führte zu einer Zusammenarbeit mit Imkern – für ihn war das der Einstieg in die Bienenwelt. Gegenwärtig ist Doorn Leiter der Agriculture Division im Center for Systems Biotechnology bei der Fraunhofer Chile Research Foundation.

„Mit seiner vielseitigen Landschaft bietet Chile Lebensraum für mehr als 400 verschiedene Bienenarten.“

 

Wie sehen Ihre Pläne zur Zusammenarbeit mit Bayer aus?

Bei Fraunhofer beschäftigen wir uns zunehmend mit Studien über Bestäubung und versuchen, die Situation in Chile zu verstehen. Für eine effiziente Bestäubung sind gesunde Bienen unverzichtbar. Mit den Kollegen vom Bayer Bee Care Center waren wir einer Meinung: Bevor wir einfach nur anfangen „etwas zu machen“, sollten wir zunächst beurteilen, wie es wirklich um die Bienengesundheit steht. So können wir eine wissenschaftliche Basis für unsere Ideen schaffen. Es existieren viele Kurzzeituntersuchungen, doch bevor man Entscheidungen treffen kann und strategisch plant, mussten die Studien ausgeweitet werden. Man braucht Langzeitdaten, die bisher nicht verfügbar waren.

Wie wurden Ihre Ergebnisse bisher aufgenommen?

Die chilenische Landwirtschaft und Regierung sind sehr offen dafür, Neues zu lernen. Sie möchten das Beste aus ihrem Land machen. Dafür wollen sie sicherstellen, dass in der Landwirtschaft und in der Bienenhaltung Praktiken umgesetzt werden, die perfekt geeignet sind.

Welche Ergebnisse wären am Ende der Studie optimal?

Dass wir über gründlich analysierte Daten verfügen, die eine Verbesserung der Qualität von Landwirtschaft und Bienenhaltung ermöglichen und dazu beitragen, beides in Einklang zu bringen. So könnte eine optimale Produktivität der Nutzpflanzen sichergestellt werden. Dann wird es eine Frage der Motivation: Wie erreicht man, dass Menschen ihre Denkweise und ihr bisheriges Handeln in Bezug darauf, wie man die Bestäubung durch Bienen besser in die Landwirtschaft integrieren kann, ändern? Ich bin davon überzeugt, dass wir die Menschen mithilfe solider, wissenschaftlicher Arbeit unterstützen können und dass Veränderungen vielleicht viel schneller möglich sind.




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